Risiken und Versicherungen

Vorsorgeschutz für Inhaber einer AG oder GmbH

Vorsorgeschutz

GmbH- oder AG-Inhaberin: Angestellte in der eigenen Firma

Führen Sie eine AG oder eine GmbH, gelten Sie für die Sozialversicherungen nicht als selbstständig erwerbend, sondern als angestellt in Ihrer eigenen Firma. Damit ist ein grosser Teil der persönlichen Versicherungen obligatorisch.

Bei den Sozialversicherungen geniessen Sie fast den gleichen Schutz wie Ihre Mitarbeitenden. Aus der ersten Säule – AHV und IV – erhalten Sie im Alter respektive bei einer Invalidität eine Rente, die zusammen mit den Ergänzungsleistungen (EL) Ihre Existenz sichert. Falls Sie sterben, unterstützt die AHV in Form von Hinterlassenenrenten auch Ihre Angehörigen. In der zweiten Säule sind Sie ergänzend dazu nach UVG und BVG versichert.

Die Unfallversicherung schützt Sie gegen die Folgen eines Unfalls; sie bezahlt sowohl die Heilungskosten wie auch Taggelder und bei einer Invalidität eine Rente in Ergänzung zur IV. Die berufliche Vorsorge über die Pensionskasse ist Ihre Versicherung fürs Alter, bezahlt aber auch Renten im Fall einer Invalidität und im Todesfall Leistungen an die Hinterbliebenen.

Tipp Zahlen Sie sich auch in schlechten Zeiten einen angemessenen Lohn aus. Sonst laufen Sie Gefahr, dass Ihre Versicherungsleistungen später auf einem zu tiefen Einkommen berechnet werden und Sie entsprechend wenig erhalten.

Lediglich bei der Arbeitslosenversicherung weicht das Obligatorium für Inhaber einer AG oder GmbH ab. Hier sind Sie deutlich schlechter gestellt als Ihre Angestellten: Sie müssen zwar einzahlen, mit Leistungen können Sie aber erst rechnen, wenn Sie beispielsweise Ihre Firma liquidiert oder verkauft haben. Bei leeren Auftragsbüchern müssen Sie sich selbst über Wasser halten können. Arbeitslosengelder gibt es nur, wenn Sie Ihre Funktion als Arbeitgeber ganz aufgeben und eine Stelle suchen.

Obligatorischen Mindestschutz ausbauen

Während die Renten in der ersten Säule fix sind, gibt es in der zweiten Säule Zusatzversicherungen, die über den obligatorischen Mindestschutz hinausgehen. Wenn Sie einen hohen Lebensstandard pflegen und für den Unterhalt weiterer Familienmitglieder sorgen, kann eine auf Ihre Bedürfnisse abgestimmte Zusatzversicherung sinnvoll sein. Viele Unternehmerinnen und Firmeninhaber sichern sich zudem über die 3. Säule zusätzlich ab.

Unfallzusatz für höhere Taggelder und mehr Komfort

Möglicherweise haben Sie bereits eine UVG-Zusatzversicherung abgeschlossen, um Ihre Angestellten besser abzusichern. Oder Sie wollen für sich selber eine besser Deckung. Zusätze sind in folgenden Bereichen möglich:

  • Heilungskosten: Sie können sich für den Fall eines Spitalaufenthalts halbprivat oder privat versichern lassen. Auch eine volle Kostenübernahme bei einem Spitalaufenthalt im Ausland lässt sich einschliessen.
  • Taggelder und Renten: Sie können die Lohnanteile über der Lohnobergrenze von jährlich 148'200 Franken, den sogenannten Überschusslohn, versichern. Zudem können Sie das Taggeld, das gemäss UVG 80 Prozent des bisherigen Lohnes ab dem dritten Tag beträgt, auf bis zu 100 Prozent ab dem ersten Tag erhöhen.
  • Kapitalleistungen: Sie können ein Invaliditäts- oder Todesfallkapital vereinbaren, das im Schadenfall einmalig ausgezahlt wird. 
  • Differenzdeckung: Wenn Sie ein besonderes Risiko eingegangen sind – zum Beispiel Autofahren, ohne angegurtet zu sein –, kann der Versicherer die Leistungen kürzen. Die Differenzdeckung ist dafür eine Art Grobfahrlässigkeitsschutz.

Höhere Beiträge und 1e-Plan bei der Pensionskasse

Das Gesetz über die berufliche Vorsorge kennt eine Obergrenze: Im BVG-Obligatorium ist ein Lohn von maximal 86’040 Franken (Stand 2022) versichert. Sie können aber freiwillig höhere Beiträge für höhere Löhne vereinbaren. Üblich sind beispielsweise Versicherungen bis zum Maximallohn des UVG (2022: 148'200 Franken) oder zum maximal versicherbaren Jahreslohn in der beruflichen Vorsorge (2021: 860'400 Franken).

Mit einem 1e-Plan können Sie die Anlagestrategie von Lohnteilen über 129'060 Franken (Stand 2022) selber bestimmen. So wäre es beispielsweise möglich, dass Sie für die tieferen Lohnanteile gemeinsam mit Ihren Mitarbeitenden eine konservative Anlagestrategie wählen und Ihre höheren Lohnanteile risikoreicher anlegen lassen. Auch Angestellte mit höheren Löhnen können diese Strategie wählen.

Das hat einen entscheidenden Einfluss auf Ihre Renditeaussichten, kann aber natürlich auch schiefgehen. In der Praxis sind 1e-Pläne noch selten, da die Gesetzgebung dazu noch nicht lange besteht. Viele Anbieter propagieren die Lösung aber zusehends, weil sie der individuellen Risikobereitschaft Rechnung trägt.

Vorsorge bei Krankheit

Nicht zu den Sozialversicherungen zählt die Krankentaggeldversicherung; sie ist in der Schweiz freiwillig. Während Angestellte zumindest von einer gewissen Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers profitieren, sieht die Situation für Sie anders aus. Schliesslich sind Sie gleichermassen Arbeitnehmer und Arbeitgeber – im Krankheitsfall berappen Sie Ihren Ausfall also selber.

Eine Krankentaggeldversicherung bietet Ihnen eine gute Möglichkeit, Ihr Einkommen bei einer schweren Erkrankung weiterhin zu sichern. Wenn Sie eine Kollektivversicherung für Ihr Personal abgeschlossen haben, können Sie sich dort mitversichern. Das kommt Sie wesentlich günstiger als eine Einzelpolice für Sie allein. Wenn Sie kein Personal beschäftigen, empfehlen Fachleute, trotz der Kosten frühzeitig eine Einzelpolice abzuschliessen. Im Krankheitsfall ist es dafür zu spät.

Tipp Die Prämien für eine Krankentaggeldversicherung sind hoch. Überlegen Sie sich deshalb, wie lange Sie bei einer Erkrankung ohne Einkommen auskommen können, und wählen Sie die Wartefrist entsprechend. Eine lange Wartefrist ist die effektivste Massnahme, um Prämien zu sparen. 

Vorbehalte und Ausschlüsse

Der Versicherer kann verlangen, dass Sie einen Gesundheitsfragebogen ausfüllen. Gestützt darauf wird entschieden, ob Sie in die Versicherung aufgenommen werden und ob allenfalls ein vorbestehendes Leiden von der Deckung ausgeschlossen wird (Vorbehalt). Unter Umständen enthalten auch die AVB bereits einen Ausschluss für vorbestehende Leiden, sodass die Deckung dafür selbst dann ausgeschlossen ist, wenn Ihnen keine Gesundheitsfragen gestellt wurden.

Achtung Füllen Sie den Gesundheitsfragebogen vollständig und wahrheitsgemäss aus. Kann Ihnen der Versicherer nachweisen, dass Sie etwas verschwiegen haben, erhalten Sie keine Leistungen – obwohl Sie möglicherweise jahrelang Prämien bezahlt haben.

Kleine Betriebe mit schlechter Schadenbilanz sind gerade beim Krankentaggeld in einer schwierigen Verhandlungsposition. Es kommt immer wieder vor, dass ein KMU keinen Versicherer findet oder mit lästigen Vorbehalten leben muss.

Dennoch: Auf die Krankentaggeldversicherung zu verzichten, stellt ein erhebliches Risiko für Sie und Ihre Familie dar. Denn dann besteht bei einer Erwerbsunfähigkeit wegen Krankheit eine Versicherungslücke. Eine Rente der IV können Sie in der Regel frühestens nach zwei Jahren erwarten und auch die Pensionskasse wartet die Abklärungen der IV ab. Ohne Taggeldversicherung müssten Sie also rund zwei Jahre mit Erspartem überbrücken können. Ist Ihnen das nicht möglich, bleibt nur noch die Sozialhilfe.