Finanzen und Steuern

Neues Geld beschaffen – die Möglichkeiten

Geld beschaffen

Neues Geld beschaffen – die Möglichkeiten

Ihr Unternehmen ist erfolgreich unterwegs und Sie möchten die Geschäftstätigkeit ausweiten. Ihre Firma ist in einen finanziellen Engpass geraten. Oder Sie planen den Schritt in die Selbständigkeit. In solchen Situationen brauchen Sie Geld.

Genauso zahlreich wie die Gründe sind auch die Möglichkeiten, neues Geld zu beschaffen. In der Praxis werden Unternehmen in der Regel sowohl mit Eigen- als auch mit Fremdkapital finanziert.

Finanzierungsmöglichkeiten für KMU
EigenfinanzierungFremdfinanzierung
  • Selber Geld einschiessen
    • Ersparnisse einbringen
    • Pensionskassengeld beziehen
    • Geld aus der 3. Säule beziehen
  • Bankkredit
  • Mikrokredit
  • Kredit der WIR Bank
  • Kredite von Lieferanten
  • Leasing
  • Factoring
  • Privatdarlehen
  • Crowdfinanzierung


Wägen Sie die Vor- und Nachteile der einzelnen Finanzierungsmöglichkeiten sorgfältig ab, um die geeignetste Lösung für Ihr Unternehmen zu finden. Die Eigenfinanzierung bewältigt das Unternehmen mit eigenen Mitteln. Demgegenüber kommt bei der Fremdfinanzierung das benötigte Geld von aussen ins Unternehmen rein.

Ob ein Bankkredit, ein Privatdarlehen, ein Leasing oder eine andere Finanzierungsmöglichkeit die beste Lösung für Ihr Unternehmen ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Es kommt dabei auf Ihre individuelle Situation an. Oft werden mehrere Finanzierungsformen miteinander kombiniert.

TippHolen Sie mehrere Offerten zu verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten ein und vergleichen Sie die Angebote. Lassen Sie sich bei Bedarf von einer Fachperson beraten.

Der Weg zum Bankkredit

Einen Bankkredit erhalten Sie nicht von heute auf morgen. Die Bank benötigt Zeit, um Ihren Kreditantrag zu prüfen. Machen Sie sich zu folgenden Punkten Gedanken, bevor Sie Ihren Kreditantrag stellen. Es spart Zeit, wenn Sie sich über Ihre Bedürfnisse und Ziele bereits im Klaren sind:

  • Wie viel Geld benötigen Sie? Machen Sie sich zunächst Gedanken zur Höhe des Kredits.
  • Möchten Sie den Kredit von einer Bank erhalten, der Sie noch nicht bekannt sind, müssen Sie zunächst einen schriftlichen Kreditantrag einreichen. In der Regel wird dafür ein Formular zur Verfügung gestellt, das Sie verwenden sollen.
  • Dem Kreditantrag müssen Sie diverse Unterlagen beilegen, etwa die letzten zwei bis drei Jahresabschlüsse, das Budget für die nächsten zwölf Monate und den Betreibungsregisterauszug. Erkundigen Sie sich, welche Dokumente die Bank benötigt, wenn Sie die Angaben nicht auf dem Formular für den Kreditantrag finden.
  • Nachdem die Bank Ihren Kreditantrag erhalten hat, findet ein persönliches Gespräch statt. Bereiten Sie sich gut darauf vor.
  • Verlangt die Bank zusätzliche Unterlagen, liefern Sie diese so rasch wie möglich nach, damit es keine Verzögerung gibt.
TippBenötigen Sie dringend einen Bankkredit, stellen Sie zuerst bei Ihrer Hausbank einen Kreditantrag. In der Regel haben Sie eine persönliche Bankberaterin, die Ihr Geschäftsmodell und Ihre Zahlen bereits kennt – das kann den Weg zum Bankkredit beschleunigen. Holen Sie aber auch weitere Offerten ein. Es lohnt sich, nicht nur den Zins, sondern auch die übrigen Kreditkosten sorgfältig zu vergleichen.

Höhe des Kredites

Bevor Sie einen Kredit beantragen, müssen Sie wissen, wie viel Geld Sie benötigen. Ob Sie den Kredit tatsächlich in der beantragten Höhe erhalten, hängt von der Kreditprüfung der Bank ab, die Ihre Bonität und die Sicherheiten, die Sie bieten können, unter die Lupe nimmt.

Gut zu wissenBenötigen Sie einen Kredit über eine kleine Summe, sollten Sie auch die Option eines Mikrokredits prüfen. Denn Kredite über geringe Summen sind für die Banken in der Regel ein unrentables Geschäft, da sich mit der erwirtschafteten Zinsmarge der administrative Aufwand kaum decken lässt. Ein Mikrokredit kann für Sie deshalb die günstigere Finanzierungsmöglichkeit sein.

Bei sogenannten Blankokrediten, das heisst Krediten ohne Sicherheiten, wenden die Banken in der Regel folgende Richtlinien an, um die Kredithöhe zu bestimmen:

  • Umsatz
    Die Kreditlimite sollte nicht höher sein als ein Fünftel des Jahresumsatzes.
  • Eigenmittel
    Die Summe der Eigenmittel sollte mindestens so hoch sein wie der beantragte Kredit.
  • Gewinn
    Dem Unternehmen sollte es möglich sein, den beantragten Kredit innert spätestens sieben Jahren mit dem erwirtschafteten Gewinn zurückzuzahlen (in gewissen Branchen gelten längere Fristen, beispielsweise im Maschinenbau).
Beispiel Die ABC AG erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 500’000 Franken. Der Gewinn beträgt 25’000 Franken, das heisst 5 Prozent des Jahresumsatzes. Die Eigenmittel betragen 100’000 Franken. Gemäss den üblichen Richtlinien wären folgende Kreditlimiten möglich:
  • Umsatz
    Maximum ein Fünftel des Jahresumsatzes von 500’000 Franken, das heisst 100’000 Franken.
  • Eigenmittel
    Der Blankokredit soll nicht höher sein als die Eigenmittel, das bedeutet in diesem Beispiel 100’000 Franken.
  • Gewinn
    Mit dem Gewinn von jährlich 25’000 Franken kann innerhalb von sieben Jahren ein Kredit in der Höhe von 175’000 Franken zurückbezahlt werden.

Zur Anwendung kommt jeweils der tiefste Betrag. Die ABC AG kann somit einen Blankokredit von maximal 100’000 Franken beantragen.

    Kreditkosten

    Die Kreditkosten hängen von verschiedenen Faktoren ab. Insbesondere die Kreditzinsen werden von den Banken für jeden Schuldner und jeden Kredit anhand der folgenden Kriterien individuell berechnet:

    • Kreditbetrag
    • Bonität und daraus resultierende Risikoklasse, in die das Unternehmen eingeteilt wurde (je höher das Ausfallrisiko, desto schlechter die Bonität und desto höher der Zins)
    • Sicherheiten
    • Werden Sicherheiten bereitgestellt? Falls ja, welche Art von Sicherheiten?
    • Aktueller Marktzins
    • Laufzeit
    • Modalitäten der Rückzahlung (Anzahl und Höhe der Raten, Zeitpunkt der Rückzahlung)
    • Kommissionen der Bank

    Gespräch mit der Bank

    Das persönliche Gespräch mit der Bankberaterin hat bei der Kreditbeurteilung, neben Ihrem Zahlenmaterial, einen hohen Stellenwert. Die Bankberaterin muss Ihr Geschäftsmodell verstehen.

    Viele stören sich daran, dass die Bank so viel über ihr Unternehmen und auch über sie privat wissen möchte. Doch auch Sie würden genau nachfragen, bevor Sie jemandem Geld ausleihen. Seien Sie im Gespräch offen und ehrlich. Stehen Sie auch zu Fehlern, die Ihnen in der Vergangenheit unterlaufen sind, und erläutern Sie, welche Massnahmen Sie bereits getroffen haben. Eine transparente Informationspolitik ist die beste Basis für eine kooperative Zusammenarbeit.

    TippHaben Sie einen Treuhänder oder Berater, nehmen Sie ihn als Unterstützung zum Gespräch mit. Wichtig ist aber, dass Sie die Fragen der Bankberaterin selbst beantworten können. Sie müssen überzeugend auftreten. Verweisen Sie zu oft auf Ihre Begleitung, stellt das Ihre Kompetenz infrage.
    Häufige Fragen im Gespräch mit der Bank
    • Wofür und per wann benötigen Sie den Kredit?
    • Können Sie Sicherheiten anbieten? Falls ja, welche? 
    • Wann und wie wollen und können Sie den Kredit zurückzahlen?
    • Welche Kreditform und welche Laufzeit des Kredits haben Sie sich vorgestellt?
    • Bauen Sie ein neues Geschäft auf oder ein bestehendes Angebot aus?
    • Was unterscheidet Sie und Ihr Angebot von Ihren Mitbewerbern? Was machen Sie besser? Wer sind Ihre Mitbewerber?
    • Wie hat sich Ihr Geschäft in den vergangenen Jahren entwickelt? Was waren die Gründe für eine negative oder positive Entwicklung?
    • Wie sieht Ihre Firmenstrategie aus? Welche Produkte oder Dienstleistungen bieten Sie an?
    • Haben Sie einen Plan B, falls sich der Business-Case nicht in der geplanten Form realisieren lässt?
    • Wie setzt sich die Geschäftsleitung zusammen? Welches Fachwissen und welchen beruflichen Werdegang haben die zuständigen Personen?
    • Haben Sie einen Businessplan erstellt? Falls ja, wie sieht dieser aus?

      Jetzt Treuhandexperten finden

      Nutzen Sie ganz einfach den Bedarfs-Check, und unsere Einkaufsexperten finden für Sie bis zu drei passende Anbieter.

      Zum Bedarfs-Check

      Die Bank bewilligt Ihren Kreditantrag

      Sobald die Unterlagen vollständig sind, prüft die Bank die Bonität Ihres Unternehmens und teilt es einer Risikoklasse zu. Je nach Risikoklasse, in die Ihr Unternehmen eingeteilt wurde, entscheidet die Bank, ob Sie Ihnen den Kredit bewilligt oder nicht. 

      Gibt die Bank Ihrem Unternehmen ein gutes Rating, schätzt sie das Ausfallrisiko für den Kredit auch unter ungünstigen Bedingungen als sehr gering ein. Die Bank gewährt Ihnen den Kredit und Sie erhalten einen Kreditvertrag. 

      TippLesen Sie den Kreditvertrag aufmerksam und in Ruhe durch und fragen Sie nach, wenn Ihnen etwas unklar ist. Lassen Sie den Vertrag auch von Ihrer Geschäftspartnerin oder Ihrem Treuhänder gegenlesen.

      Anschliessend erhalten Sie das Geld von der Bank ausgeliehen – gegen Zins und Rückzahlung sowie verbunden mit Auflagen. Diese variieren je nach Bank und Kredithöhe. Beispielsweise kann eine Bank verlangen, dass Sie Ihren gesamten Umsatz über sie abwickeln. Üblich ist auch, dass Sie den Jahresabschluss (inklusive allfälligem Revisionsstellenbericht) sowie das Budget einreichen müssen. 

      AchtungVerletzen Sie die Auflagen, kann die Bank den Kredit kündigen und von Ihnen die Rückzahlung verlangen.

      Die Bank lehnt Ihren Kreditantrag ab

      Lehnt die Bank Ihren Kreditantrag ab, sollten Sie sich bei Ihrer Bankberaterin nach dem Grund erkundigen. Wie können Sie Ihre Bonität verbessern, um später allenfalls einen neuen Kreditantrag einzureichen? Möglicherweise können Sie Ihre Chancen erhöhen, indem Sie (zusätzliche) Sicherheiten leisten.

      Gut zu wissenLehnt eine Bank Ihr Kreditgesuch ab, bedeutet das noch nicht, dass sämtliche Finanzinstitute in der Schweiz ebenfalls so entscheiden. Versuchen Sie es weiter, denn nicht alle Banken wenden zur Beurteilung der Bonität dasselbe Verfahren an.

      Erhalten Sie aber auch beim zweiten und dritten Versuch einen negativen Bescheid, sollten Sie sich wohl eingestehen, dass ein Bankkredit nicht die richtige Finanzierung für Ihr Unternehmen ist. Eine weitere Möglichkeit, die Sie in einem solchen Fall prüfen sollten, ist Factoring. Für viele Unternehmen – nicht nur Start-ups, sondern auch Unternehmen in einer Turnaround-Situation, die ihre finanzielle Krise bewältigen wollen – spielt Factoring eine wichtige Rolle, insbesondere wenn die Hausbank eine Kreditlimite oder deren Aufstockung ablehnt.

      Bankkredit – die passende Kreditform

      Hat die Bank Ihren Kreditantrag bewilligt, müssen Sie sich für eine Kreditform entscheiden. Auch eine Kombination mehrerer Formen ist möglich. Die Kreditformen werden von den Banken teilweise unterschiedlich bezeichnet, sie weisen aber gleiche oder ähnliche Merkmale und Konditionen auf und erfüllen den gleichen Zweck.

      Kontokorrentkredit

      Der Kontokorrentkredit ist ein Betriebskredit in Kontoform mit unbefristeter Laufzeit. Sie können mit Ihrem Kontokorrentkonto bis zur individuellen Kreditlimite, die Ihnen die Bank gewährt hat, ins Minus gehen und so den laufenden Zahlungsverkehr sicherstellen.

      Ein Kontokorrentkredit ist geeignet, wenn Sie eine zusätzliche Liquiditätsreserve benötigen, Ihren Finanzierungsbedarf aber nicht zum Voraus genau festlegen können, oder ein unregelmässiges Finanzierungsbedürfnis haben. Durch die Flexibilität des Kontokorrentkredits können Sie Ihren finanziellen Spielraum optimal erweitern, denn von Ihrer Limite benützen Sie immer nur so viel, wie Sie benötigen. Haben Sie gerade keinen Bedarf, kann das Konto auch ein Guthaben aufweisen.

      Nicht nur die Kreditlimite, auch die Konditionen legt die Bank individuell fest. Folgende Kosten fallen bei einem Kontokorrentkredit an:

      • Zins für die Kreditbenützung
        Bei Guthaben grundsätzlich minimale Zinsgutschrift, im aktuellen Zinsumfeld jedoch meist keine
      • Kreditkommission respektive Benutzungskommission
        Wird meist pro Quartal erhoben und beträgt in der Regel zwischen 0,125 und 0,25 Prozent (entweder auf dem höchsten oder dem durchschnittlich beanspruchten Kreditbetrag)
      Beispiel für eine Benützung des Kontokorrentkredits
      Benuetzung Kontokorrentkredit Beispielillustration
      Illustration: Alexandra Del Prete

      Fester Vorschuss

      Ein Bankkredit in der Form eines festen Vorschusses ist wie auch der Kontokorrentkredit ein Betriebskredit. Mit einer Laufzeit von einem bis zwölf Monaten dient er Ihnen ebenfalls dazu, kurzfristig an zusätzliche Liquidität zu kommen. Bei Ablauf der Laufzeit bezahlen Sie den Kreditbetrag jeweils vollständig zurück, Sie können aber auch nahtlos einen nächsten festen Vorschuss abschliessen, wenn Sie weiterhin Liquiditätsbedarf haben. Im Gegensatz zum Kontokorrentkredit fixieren Sie mit der Bank beim festen Vorschuss sowohl den Kreditbetrag als auch die gewünschte Laufzeit und den Zins – der sich je nach hinterlegter Sicherheit reduziert – im Voraus.

      Festes Darlehen

      Das feste Darlehen – oft auch Festkredit oder Festdarlehen genannt – ist ein Investitionskredit und dient Ihnen zur Finanzierung des Anlagevermögens (beispielsweise von Maschinen oder Einrichtungen). Mit einer Laufzeit von einem bis zehn Jahren gewährt Ihnen die Bank diesen Kredit mittel- bis langfristig, Sie müssen ihn innerhalb der vereinbarten Zeit in Raten zurückzahlen. Für das feste Darlehen bezahlen Sie einen festen Zinssatz.

      Hypothek

      Sind Sie privat oder ist Ihr Unternehmen im Besitz einer Liegenschaft? Falls Sie bis anhin darauf noch keine Hypothek aufgenommen haben, können Sie das jetzt tun. Oder Sie stocken eine bestehende Hypothek auf, sofern Sie die Liegenschaft noch nicht bis zum Maximum belehnt haben. Die gewonnene Liquidität können Sie als Kapital (bei Geschäftsliegenschaften) oder via Darlehen (bei Privatliegenschaften) ins Unternehmen einbringen, sofern die Bank ihr Einverständnis dazu gibt.

      Hypothekarkredite sind langfristige Finanzierungsmittel und meist günstiger als unbesicherte Betriebsmittelfinanzierungen wie Kontokorrentkredite, feste Vorschüsse oder feste Darlehen. Im Vergleich zu Hypotheken auf Wohneigentum sind die Zinsen bei Geschäftsliegenschaften teilweise jedoch etwas höher. 

      Gut zu wissenDie Belehnung – das heisst, der Anteil des Verkehrswerts einer Immobilie, den die Bank finanziert – beträgt bei Privatliegenschaften üblicherweise bis zu 80 Prozent (im Pensionsalter noch bis zu 65 Prozent). Bei Geschäfts- und Büroliegenschaften hingegen werden von den Finanzinstituten oft nur bis zu zwei Drittel des Verkehrswerts finanziert. Bei Gewerbe- und Industrieliegenschaften werden bis zu 50 Prozent finanziert. Die Belehnungssätze sowie die Amortisationsbedingungen variieren je nach Bank, Immobilienart und konkreter Ausgestaltung der Liegenschaft.

      Die Bank verlangt Sicherheiten

      In vielen Fällen verlangen Banken Sicherheiten für einen Kredit, den sie gewähren. Die Bonität Ihres Unternehmens verbessern solche Sicherheiten zwar nicht, sie können aber die Zinskosten erheblich reduzieren. Auch eine höhere Kreditlimite ist möglich als bei einem Blankokredit ohne Sicherheiten.

      Es gibt eine Vielzahl von Sicherheiten. Sie können diese nicht nur aus dem Vermögen des Unternehmens, sondern auch aus Ihrem Privatvermögen bereitstellen. Bei einem Einzelunternehmen spielt die Herkunft der Sicherheit eine Rolle, denn die Eigentümerin haftet sowieso mit ihrem Privatvermögen. Demgegenüber haften bei einer AG oder GmbH die Aktionäre oder Gesellschafterinnen nicht persönlich für die Schulden des Unternehmens. Diesen Umstand ändern Sie, wenn Sie aus Ihrem Privatvermögen Sicherheiten zur Verfügung stellen.

      AchtungKann Ihr Unternehmen die vereinbarten Zinsen und Amortisationen nicht bezahlen, greift die Bank auf Ihre Sicherheiten zurück. Überlegen Sie sich gut, ob Sie dieses Risiko eingehen wollen.

      Private Bürgschaften

      Bei einer Bürgschaft verpflichtet sich eine Person oder Institution (Bürge) gegenüber dem Kreditgeber, für die Verbindlichkeiten Ihres Unternehmens (Hauptschuldnerin) einzustehen. Als Bürge kommen sowohl Sie selbst als auch Ihnen oder Ihrem Unternehmen nahestehende Drittpersonen infrage.

      Die zwei wichtigsten Arten von Bürgschaften sind die einfache Bürgschaft und die Solidarbürgschaft. Bei einer Solidarbürgschaft kann die Bank den Bürgen direkt belangen, wenn die Kreditnehmerin ihre Verpflichtungen nicht erfüllt. Eine erfolglose Mahnung genügt schon. Bei der einfachen Bürgschaft kann sich die Bank erst an den Bürgen wenden, wenn die Hauptschuldnerin erfolglos betrieben wurde. Banken verlangen in der Regel eine Solidarbürgschaft.

      AchtungEin Bürgschaftsvertrag kann vom Bürgen nicht einseitig aufgelöst werden. Überlegen Sie sich gut – vor dem Hintergrund des Haftungsrisikos, das eine Bürgschaft für den Bürgen mit sich bringt –, ob Sie eine nahestehende Person damit belasten wollen.

      Bürgschaftsgenossenschaften anfragen

      Bürgschaftsgenossenschaften sind eine Alternative, falls Sie niemanden finden, der sich für eine private Bürgschaft zur Verfügung stellt. Sie unterstützen KMU bei der Aufnahme von Krediten, indem sie sich gegenüber Gläubigern als Bürge zur Verfügung stellen. In der Schweiz gibt es vier regionale Bürgschaftsgenossenschaften:

      • Bürgschaft Westschweiz
      • BG Mitte
      • BG Ost-Süd
      • BG SAFFA, in der ganzen Schweiz tätig, richtet sich an Unternehmerinnen

      Bürgschaftsgenossenschaften prüfen Gesuche nach ähnlichen Kriterien wie Banken einen Kreditantrag. Diese Gesuchsprüfung ist nicht kostenlos. Zudem verlangen die Bürgschaftsgenossenschaften eine Risikoprämie auf dem Kreditbetrag. Mehr Informationen dazu finden Sie auf der Website der vier Bürgschaftsgenossenschaften der Schweiz .

      Verpfändung von Wertgegenständen und Immobilien

      Bei einem sogenannten Faustpfand verpfänden Sie Wertgegenstände wie Kontoguthaben, Wertschriften oder Ansprüche aus Lebensversicherungen. Damit räumen Sie der Bank das Recht ein, das Pfand verwerten zu lassen, wenn Ihr Unternehmen seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann.

      Eine Immobilie dient als Sicherheit für einen Hypothekarkredit. Auch bei diesem sogenannten Grundpfand wird der Bank ein Pfandrecht eingeräumt. Können Sie Ihren Verpflichtungen gegenüber der Bank nicht mehr nachkommen, kann diese die Liegenschaft versteigern lassen.

      Globalzession

      Neu gegründete und kleinere Unternehmen können oft weder eine Bürgschaft noch Wertgegenstände oder Immobilien als Sicherheit für einen Bankkredit anbieten. Die Sicherstellung der Kreditlimite über eine Globalzession kann in diesen Fällen die geeignete Alternative sein. Dabei treten Sie als Kreditnehmerin alle bestehenden und zukünftigen Forderungen im Zusammenhang mit Ihrer Geschäftstätigkeit an die Bank ab.

      Die Bank hat das Recht, Ihren Kunden jederzeit mitzuteilen, dass ab sofort sie die Zahlungsempfängerin ist. Solange Sie Ihren Verpflichtungen nachkommen, wird darauf in der Regel aber verzichtet. Im Gegensatz zu anderen Sicherheiten gehen Sie bei dieser Variante keine Risiken ein.

      Kredit der WIR Bank

      Die WIR Bank fokussiert auf KMU-Kunden. Die Komplementärwährung WIR soll die Geschäftstätigkeit unter den WIR-Kunden ankurbeln, indem der Zahlungsverkehr zwischen WIR-Kunden zwingend zu einem bestimmten Prozentsatz in WIR-Geld abgewickelt wird.

      WIR-Teilnehmer können bei der WIR Bank einen Überbrückungskredit in Schweizer Franken beantragen. Wie die anderen Finanzinstitute prüft auch die WIR Bank die Bonität Ihres Unternehmens. Auch die Kreditkosten sind mit denen anderer Banken vergleichbar.

      Speziell an einem WIR-Kredit ist, dass Sie Ihr WIR-Guthaben als Sicherheit hinterlegen können und dadurch einen günstigeren Zins erhalten. Zurückgezahlt wird auch der WIR-Kredit in Schweizer Franken.

      TippWIR-Geld hat in den letzten Jahren an Attraktivität verloren. Erkundigen Sie sich zuerst in Ihrer Branche, wie WIR akzeptiert ist, wenn Sie sich für dieses Zahlungssystem interessieren. Ansonsten laufen Sie Gefahr, auf Ihrem WIR-Guthaben sitzen zu bleiben und in einen Liquiditätsengpass zu geraten.

      Mikrokredit

      Mikrokredite waren ursprünglich bekannt für die Finanzierung von Kleinunternehmen in Entwicklungsländern. Mittlerweile gibt es auch Organisationen in der Schweiz, beispielsweise den Verein GO! in Zürich oder die Stiftung Microcrédit Solidaire Suisse in Lausanne, die vor allem Firmengründern Kapital zur Verfügung stellen, die erfolglos versucht haben, einen klassischen Bankkredit zu erhalten.

      Herkömmliche Bankkredite scheitern oft an fehlenden Sicherheiten oder an zu kleinen Kreditvolumen. Mikrokredite werden schon für kleine Beträge gewährt, üblicherweise maximal 30'000 bis 50'000 Franken, vorausgesetzt, Sie können ein Erfolg versprechendes Geschäftsmodell präsentieren. Zurückgezahlt wird der Kredit gewöhnlich in regelmässigen Raten innerhalb einer bestimmten Anzahl Jahre. Mikrokreditnehmer werden vom Kreditgeber ganzheitlich betreut und erhalten oft auch Beratung und Coaching.

      Leasing

      Über Leasing kann heute fast alles finanziert werden – von Fahrzeugen über Maschinen, Büromobiliar, technische Anlagen, Werkstatteinrichtungen bis hin zu IT-Systemen oder Immobilien. Überlegen Sie sich vor allem bei teuren Objekten:

      • Wollen Sie das Objekt kaufen und besitzen?
      • Möchten Sie es nur benutzen und Ihr Kapital für andere Zwecke einsetzen?
      • Benötigen Sie jeweils das neuste Modell oder erfüllt allenfalls auch ein günstigeres Occasionsmodell den Zweck?

      Für rasch expandierende Unternehmen, die laufend in kostspielige neue Technologien investieren müssen, ist Leasing oft die einzige Finanzierungsmöglichkeit, um Maschinen oder Einrichtungen zu nutzen, die jederzeit dem neusten Stand entsprechen. Da Sie den Kaufpreis nicht aus Ihren flüssigen Mitteln begleichen müssen, können Sie die Liquidität und das Eigenkapital Ihres Unternehmens sowie Ihre Bankkreditlimiten schonen.

      Restriktive Vertragsbestimmungen können ein Leasing unattraktiv machen, etwa wenn Änderungen am Leasingobjekt untersagt werden, Standort und Nutzung vorgegeben sind oder Serviceauflagen gemacht werden. Nach Ablauf der Vertragsdauer müssen Sie das Leasingobjekt an die Leasinggeberin zurückgeben. Handelt es sich um ein Finanzierungsleasing, kommen bei einer vorzeitigen Vertragsauflösung zudem hohe Kosten auf Sie zu.

      Gut zu wissenDie Zinsentwicklung ist nicht vorhersehbar. Sinkt das allgemeine Zinsniveau, bezahlen Sie als Leasingnehmer weiterhin den vereinbarten Zins.

      Dank der fixen Leasingrate können Sie Ihre Ausgaben über die gesamte Laufzeit besser budgetieren. Aber die periodisch geschuldeten Leasingraten muss Ihr Unternehmen aus den laufenden Einkünften bezahlen können. Achten Sie vor allem darauf, dass Sie mit einem Leasing keine unnötigen finanziellen Belastungen eingehen, wenn sich Ihr Unternehmen ohnehin mit einem Liquiditätsengpass konfrontiert sieht.

      Sale-Lease-Back

      Die Finanzierung über ein Leasing kommt nicht nur bei einer Neuanschaffung infrage. Bei einem finanziellen Engpass ist Sale-Lease-Back eine Möglichkeit, um rasch zu flüssigen Mitteln zu kommen. Dabei werden besonders werthaltige Gegenstände des Unternehmens, beispielsweise eigene Liegenschaften, an eine Leasingfirma verkauft und anschliessend sofort wieder zurückgeleast. Aufgrund des aktuellen Niedrigzinsumfelds befinden sich die Immobilienpreise auf einem hohen Niveau; dadurch können Sie gute Verkaufspreise erzielen.

      Factoring

      In der Finanzierungsstruktur vieler Unternehmen spielt Factoring eine wichtige Rolle, insbesondere wenn die Hausbank eine Aufstockung der Kreditlimite ablehnt. Dies betrifft nicht nur viele Start-ups, sondern auch Unternehmen in einer Turnaround-Situation, die ihre finanzielle Krise bewältigen wollen.

      Factoring ist eine Finanzdienstleistung, die es Ihnen ermöglicht, sowohl die Liquidität als auch die Rentabilität in Ihrem Unternehmen zu verbessern. Bezahlen Ihre Kunden die Rechnungen regelmässig mit grosser Verspätung – oder im schlimmsten Fall gar nicht –, verschafft Factoring Ihrem Unternehmen mehr finanziellen Handlungsspielraum.

      Und so funktionierts: Ihr Unternehmen (Factoring-Kunde) verkauft seine Forderungen gegenüber den Kunden an eine Factoring-Gesellschaft (Factor). Der Factor zahlt Ihnen einen Vorschuss auf dem Betrag. Sie erhalten also das Geld schneller und können dadurch Ihre Rechnungen fristgerecht bezahlen und die Lieferantenskonti und -rabatte voll ausnützen.

      TippInformieren Sie Ihre wichtigsten Kunden, wenn Sie sich für ein Factoring entscheiden. Sie laufen sonst Gefahr, dass Gerüchte kursieren, Ihr Unternehmen sei illiquid.

      Was kostet Factoring?

      Für die Dienstleistung des Factors bezahlen Sie eine Factoring-Gebühr, die zwischen einem und drei Prozent des Rechnungsbetrags liegt. Die Höhe der Gebühr wird von folgenden Faktoren beeinflusst:

      • Ihr Jahresumsatz beim Factor
      • Anzahl der Rechnungen, die Sie über den Factor abwickeln
      • Bonität Ihrer Schuldnerinnen
      • Einzugsgebiet Ihrer Kunden (Inland, Ausland)
      • Aufgaben des Factors, insbesondere die Frage, ob er das Mahn- und Inkassowesen abwickelt und das Delkredere-Risiko (Risiko, dass Ihre Schuldnerinnen nicht bezahlen) übernimmt

      Zusätzlich zur Factoring-Gebühr bezahlen Sie dem Factor für das bevorschusste Geld einen Zins für die Finanzierung der Forderungen, der den banküblichen Kontokorrentzinsen entspricht. Als Berechnungsgrundlage dient die Summe der Rechnungen, die bei Ihren Kunden ausstehend sind.

      Übernimmt der Factor für Sie das Delkredere-Risiko und kommt es bei Ihren Kunden zu aufwendigen Bonitätsprüfungen, können dafür allenfalls zusätzliche Kosten in Rechnung gestellt werden.

      AchtungIn der Regel verlangen die Factoring-Unternehmen einen Mindestumsatz. Häufig beläuft sich dieser auf 500'000 oder sogar 1'000'000 Franken.

      Wann ist Factoring sinnvoll?

      Factoring ist nur dann sinnvoll, wenn Sie mit dem Vorschuss Skonti wahrnehmen können und damit Einsparungen erzielen, die die Factoring-Kosten mindestens decken. Halten sich Einsparungen und Kosten etwa die Waage, haben Sie immerhin den administrativen Aufwand gespart. Im Idealfall übersteigen die gesparten Skonti aber die Factoring-Kosten und das Ganze ist unter dem Strich auch günstiger als ein konventioneller Bankkredit. Erkundigen Sie sich auch bei Ihren Lieferanten, ob Sie als Sofortzahler von günstigeren Einkaufspreisen profitieren können.

      Beispiel Factoring-Kosten
      Die ABC AG erhält eine Rechnung über 10'000 Franken und eine über 30'000 Franken. Wenn Sie diese innerhalb der Skontofrist bezahlt, kann sie Skonti von total 1'000 Franken einsparen (2,5 Prozent). Sie hat die 40'000 Franken aber nicht auf ihrem Bankkonto verfügbar.

      Variante Factoring
      Die ABC AG nutzt Factoring. Sie hat ihrem Factor eine Kundenforderung über 45’000 Franken verkauft und erhält innert kürzester Zeit bis zu 90 Prozent des Rechnungsbetrages (somit maximal 40’500 Franken) vom Factor überwiesen. Dafür bezahlt sie eine Factoring-Gebühr von 2 Prozent – für die 4’0000 Franken also 900 Franken. Auf den ersten Blick kann sie mit dem Skontoabzug, der dank Factoring möglich ist, 100 Franken sparen (1’000 Franken Skontoertrag abzüglich 900 Franken Factoring-Gebühr). Es wird aber zusätzlich ein Factoring-Zins verrechnet, der davon abhängt, wie schnell der Kunde der ABC AG bezahlt. Bezahlt dieser innerhalb von 30 Tagen, hat der Factor die Rechnung während dieser Zeit bevorschusst. Der Zins dafür entspricht den gängigen Kontokorrentzinsen. Liegen diese beispielsweise bei 5 Prozent, kostet das zusätzlich 187,50 Franken. Kostenmässig legt die ABC AG somit bei der Factoring-Lösung 87,50 Franken drauf, obwohl sie die Skonti wahrnehmen konnte. Dafür hat der Factor den administrativen Aufwand übernommen.

      Variante Bankkredit (Kontokorrentlimite)
      Die ABC AG beansprucht ihre Kontokorrentlimite für die 30 Tage, bis ihr Kunde die Rechnung bezahlt, im Umfang der 40’000 Franken. Bei einem Kontokorrentzins von beispielsweise 5 Prozent, kostet das die ABC AG 175 Franken (inklusive Kreditkommission von in der Regel 0,25 Prozent; der Kontokorrentzins kann je nach Bank und Kreditnehmer stark variieren). Damit kann sie aber Skonti von 1’000 Franken wahrnehmen und unter dem Strich 825 Franken einsparen. 

      Privatdarlehen

      Als Quelle für günstiges Kapital kommen allenfalls auch Verwandte oder Bekannte infrage. Private Geldgeber verlangen oft keine banküblichen Sicherheiten. Im besten Fall erhalten Sie das Darlehen sogar zinslos, da die Unterstützung für Sie im Vordergrund steht. Klären Sie auch diese Möglichkeit ab.

      AchtungSchliessen Sie einen schriftlichen Darlehensvertrag ab. Im Streitfall ist er – für beide Seiten – oft das einzige Beweismittel.

      Beide Parteien müssen das Darlehen in der Steuererklärung angeben. Legen Sie eine Kopie des Darlehensvertrags als Beweismittel bei.

      Halten Sie im Darlehensvertrag Folgendes fest:

      • Vertragspartner
        Geben Sie den vollständigen Namen sowie die Adresse des Darlehensnehmers und des Darlehensgebers an.
      • Darlehenssumme
        Übergeben Sie dem Darlehensgeber eine unterzeichnete Quittung, wenn Sie das Geld bar erhalten.
      • Verzinsung und Zinstermine
        Halten Sie den Zinssatz und die Zinstermine fest. Sie können auch vereinbaren, dass kein Zins geschuldet ist.
      • Datum und Konditionen der (Teil-)Rückzahlungen
        Vereinbaren Sie, ob Sie während der Laufzeit des Darlehens regelmässig Raten zurückzahlen müssen oder ob Sie die ganze Darlehenssumme am Ende der Laufzeit aufs Mal zurückzahlen.
      • Kündigungsfristen und -termine
        Wenn Sie für die Rückzahlung keine Vereinbarung treffen, kann der Darlehensgeber das Darlehen jederzeit mit einer Frist von nur sechs Wochen kündigen. Dann müssen Sie innert sechs Wochen nach der ersten Aufforderung das Darlehen zurückzahlen. Vereinbaren Sie deshalb im Darlehensvertrag unbedingt realistische Kündigungsbedingungen.

      Die folgende Vorlage können Sie als Ausgangslage für Ihren eigenen Darlehensvertrag nehmen und sie an Ihre Bedürfnisse anpassen.

      Privatdarlehen haben immer auch eine emotionale Komponente. Was passiert, wenn Sie sich mit dem Darlehensgeber zerstreiten? Was, wenn Sie das Darlehen nicht zurückzahlen können? Ein enges Verhältnis kann dann für immer zerstört sein. Haben bereits mehrere Banken Ihr Kreditgesuch wegen des zu hohen Verlustrisikos abgelehnt, sollten Sie sich ein Privatdarlehen sehr gut überlegen.

      Gut zu wissenKennen Sie einen anderen Geschäftsinhaber, der bereit ist, Ihnen ein Darlehen zu gewähren, ist es auch möglich, dieses nicht zwischen Ihnen als Privatpersonen, sondern zwischen Ihren beiden KMU abzuwickeln. Ist die Darlehensgeberin eine juristische Person, müssen Sie die aktuellen steuerlich anerkannten Zinssätze für Vorschüsse oder Darlehen der Eidgenössischen Steuerverwaltung einhalten.

      Erbvorbezug oder Schenkung

      Möchten Ihre Eltern Sie unterstützen, können sie das auch über einen Erbvorbezug oder eine Schenkung tun. Es ist sinnvoll, die Geschwister über eine solche Transaktion zu informieren – das verhindert Misstrauen und Streit. Wichtig ist, dass keine erbrechtlichen Pflichtteile verletzt werden. Sowohl eine Schenkung als auch ein Erbvorbezug werden aus steuerlicher Sicht am besten an den Geschäftsinhaber privat ausgerichtet, der dann den Betrag in das Unternehmen einbringt. Lassen Sie sich für solche Lösungen durch einen Treuhänder beraten. 

      Suchen Sie einen Treuhänder oder eine Treuhänderin? Füllen Sie dazu am einfachsten unseren Online-Fragebogen aus und erhalten Sie kostenlos Offerten von bis zu 3 passenden Anbietern.

      Crowdfunding

      Crowdfunding wird auch in der Schweiz immer beliebter – nicht nur im kulturellen oder sozialen Bereich, auch bei KMU. Beim Crowdfunding steuert eine Vielzahl von Investoren jeweils einen kleinen Betrag zur Finanzierung eines Projekts bei. Sowohl die auf diese Weise gesammelten Summen als auch die Anzahl der Crowdfunding-Plattformen sind in den letzten Jahren stark angestiegen.

      Haben mehrere Banken Ihr Gesuch um einen Bankkredit abgelehnt, da sie das Risiko als zu hoch einstuften, oder haben sie Ihnen unattraktive Konditionen angeboten, prüfen Sie die Möglichkeiten des Crowdfundings. Auch diese Finanzierung ist nicht kostenlos, da die Plattformen für ihre Vermittlungsdienstleistung eine Gebühr erhalten, sie kann Ihnen aber unter Umständen neue Türen öffnen.

      So gleisen Sie ein Crowdfunding auf

      Informieren Sie sich auf mehreren Crowdfunding-Plattformen über die Rahmenbedingungen und Konditionen und vergleichen Sie diese miteinander – achten Sie auch auf die Gebühren. Welche Plattform passt am besten zu Ihren Bedürfnissen? Haben Sie sich für eine Plattform und eine Crowdfunding-Art entschieden, reichen Sie dort Ihren Finanzierungsantrag ein. Die weiteren Schritte sind je nach Plattform unterschiedlich.

      Diese Crowdfunding-Plattformen sind speziell auf unternehmerische Projekte ausgerichtet:

      TippMachen Sie sich nochmals vertieft Gedanken über Ihren Businessplan, wenn Ihr Projekt auch auf den Crowdfunding-Plattformen nicht auf Interesse stösst und Sie innerhalb der gesetzten Frist den Mindestbetrag nicht erreichen.

      Selber Geld einschiessen

      Der Vorteil einer Finanzierung aus eigenen Mitteln liegt auf der Hand: Sie sind nicht von Dritten abhängig. Auch Ihre Liquidität wird geschont, da Sie keine Zinsen oder Rückzahlungen leisten müssen.

      Haben Sie jedoch bereits erfolglos versucht, einen Bankkredit zu erhalten, und ist auch aus Ihrem Umfeld niemand bereit, Ihnen ein Privatdarlehen zu gewähren? Überlegen Sie sich gut, ob und wie viel Geld Sie privat einschiessen möchten. Überprüfen Sie davor gründlich Ihre Geschäftsidee und die Strategie. Glauben Sie wirklich daran?

      AchtungInvestieren Sie auf keinen Fall Ihr ganzes Hab und Gut in die Firma. Behalten Sie eine eiserne Reserve für Notfälle zurück und denken Sie auch an die Sicherheit Ihrer Familie.

      Ersparnisse einbringen

      Geld oder Vermögenswerte aus dem Privatvermögen in das Unternehmen einzubringen, ist die einfachste und günstigste Variante. Es gibt verschiedene Möglichkeiten:

      • Sparguthaben
        Behalten Sie auf jeden Fall genügend Mittel für Notfälle und für kurzfristige Verbindlichkeiten zurück, mindestens den drei- bis sechsfachen Monatsbedarf.
      • Wertschriften und Wertgegenstände
        Planen Sie solche Verkäufe längerfristig, sonst laufen Sie Gefahr, in einem ungünstigen Zeitpunkt für einen zu tiefen Preis unter dem eigentlichen Wert zu verkaufen.
      • Versicherungspolicen auflösen
        Eine vorzeitige Auflösung von Versicherungspolicen ist meist ein Verlustgeschäft und nicht empfehlenswert. Zudem entfällt dann der Versicherungsschutz. Prüfen Sie alternativ die Verpfändung.

      Sacheinlagen einbringen

      Infrage kommt beispielsweise die Überführung von Mobiliar, Fahrzeugen oder Immobilien von Ihrem Privatvermögen ins Geschäftsvermögen. Die Überführung einer Immobilie ins Geschäftsvermögen hat steuerliche Konsequenzen, etwa die Grundstückgewinn- und die Handänderungssteuer. Lassen Sie sich für diese Lösung von einer Treuhänderin beraten, um alle Risiken abzuwägen.

      Pensionskassenguthaben beziehen

      Die Möglichkeit zum Bezug von Pensionskassengeldern steht nur Selbständigerwerbenden offen, die nicht obligatorisch der beruflichen Vorsorge beitreten müssen. Darunter fallen Inhaber von Einzelunternehmen sowie Kollektiv- oder Kommanditgesellschafterinnen. Gründer respektive Inhaberinnen von AGs und GmbHs sind in ihrem eigenen Unternehmen mit einem Arbeitsvertrag angestellt und gelten nicht als Selbständigerwerbende.

      Wollen Sie Pensionskassengeld in Ihr Unternehmen investieren, müssen Sie dies innerhalb eines Jahres nach Aufnahme der selbständigen Erwerbstätigkeit tun. Je nach Reglement der Pensionskasse kann die Auflösung auch erfolgen, wenn die selbständige Erwerbstätigkeit maximal zwölf Monate bereits im Nebenerwerb existiert hatte, bevor Sie diese zu Ihrer Haupterwerbstätigkeit gemacht haben.

      Sie müssen das ganze Pensionskassenguthaben aufs Mal beziehen. Ehepartner oder eingetragene Partnerinnen müssen dem Vorbezug schriftlich zustimmen. Zudem müssen Sie das ausgezahlte Freizügigkeitskapital zu einem reduzierten Satz versteuern.

      AchtungAusgezahltes Pensionskassengeld verliert den Schutz des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und Konkurs (SchKG) für Vorsorgeguthaben. Dadurch wird Ihr Vorsorgeguthaben pfändbar und Gläubiger können allenfalls vorhandene Verlustscheine aus früheren Konkursen wieder gegen Sie geltend machen.

      Der Pensionskasse müssen Sie Ihre Selbständigkeit glaubhaft nachweisen können. Dazu dient beispielsweise ein Businessplan, die Bestätigung der AHV-Ausgleichskasse, ein Mietvertrag für Geschäftsräumlichkeiten oder ein Handelsregisterauszug. 

      Gut zu wissenÜberlegen Sie sich gut, ob Sie Ihr Pensionskassenguthaben in Ihr Unternehmen einbringen wollen. Haben Sie mit Ihrer Geschäftstätigkeit keinen Erfolg, ist Ihre Altersvorsorge aus der 2. Säule verloren. Falls Sie sich für einen Bezug entscheiden, sollten Sie Ihre Altersvorsorge im Rahmen der 2. und 3. Säule rechtzeitig wieder aufbauen.

      Geld aus der Säule 3a beziehen

      Auch das Kapital auf einem Säule-3a-Konto oder in einer Säule-3a-Police kann für die Finanzierung eines Geschäfts verwendet werden. Wie beim Bezug von Pensionskassengeldern steht diese Möglichkeit bloss Inhaberinnen von Einzelunternehmen sowie Kollektiv- oder Kommanditgesellschaftern offen. Die selbständige Erwerbstätigkeit muss nachgewiesen werden.

      Nach Aufnahme der Selbständigkeit haben Sie zum Bezug des Kapitals aus der Säule 3a ein Jahr Zeit. Ein teilweiser Bezug des Guthabens ist nur möglich, wenn Sie mehrere 3a-Konten haben. Das Guthaben auf einem einzelnen Konto muss jeweils vollständig bezogen werden und wird zu einem reduzierten Satz versteuert.

      AchtungHaben Sie das Kapital in eine 3a-Police investiert, erleiden Sie bei einer vorzeitigen Kündigung einen Verlust. Vor allem in den ersten drei Jahren eines Versicherungsvertrags erhalten Sie unter Umständen sogar weniger Geld zurück, als Sie eingezahlt haben. Da ein Rückkaufswert in der Regel erst nach drei Jahren entsteht, laufen Sie sogar Gefahr, gar nichts zurückzuerhalten. Bevor Sie Ihre Versicherungspolice kündigen, erkundigen Sie sich unbedingt beim Versicherer nach den genauen Rückzahlungskonditionen.

      Fragen Sie bei Ihrer Bank oder Ihrem Versicherer nach, in den meisten Fällen wird für die Auflösung ein Formular angeboten, das Sie ausfüllen können. Oder Sie verwenden die folgende Vorlage.