Mehrwertsteuer Schweiz – Über­sicht & Tipps

Unternehmen sind in der Schweiz zur Abgabe der Mehrwertsteuer MwSt, unabhängig von ihrer Rechtsform, ver­pflich­tet. Der Mehr­wert­steuersatz in der Schweiz gilt für Sie, sobald Sie einen Jah­res­umsatz von mehr als 100’000 CHF (im In- und Aus­land) erzielen.


MWST Schweiz Definition

Bei der Schweizer Mehrwertsteuer, abgekürzt MWST, handelt es sich um eine indirekte Steuer, die vom Bund erhoben wird. Sie gilt als die wichtigste Ein­nahme­quelle des Staates. Die Idee hinter der Mehr­wert­steuer ist, dass jeder Konsument in der Schweiz den Staat auch finanziell unterstützen soll. Damit wir als Konsumenten nicht bei jeglichem Kon­sum die MwSt abrechnen müssen, gilt ein­fach­heits­halber, dass bei den Unter­nehmen die MWST ab einem Umsatz von 100’000 CHF erhoben wird. Unter­nehmen rechnen wiederum auf ihren normalen Verkaufs­preis die MWST ein oder stellen dem Kunden die Rechnung inkl. MWST zu. Diese auf den Verkaufs­preis dazu geschlagene Mehr­wert­steuer, muss beim Verkauf des Produktes oder der Dienst­leistung, danach vom Unter­nehmen an den Bund über­wiesen und somit wieder abge­führt werden. Die Mehrwert­steuer wird erhoben, da sie zur Deckung von allgemeinen Bundes­ausgaben dienen soll.


Mehrwertsteuersätze Schweiz

Die Mehrwertsteuer wird vom Bund auf alle Kon­sum­güter sowie Dienstleistungen erhoben. Das Unter­nehmen schlägt die Steuer auf den Preis der im Inland verkauften Produkte und Dienst­leistungen auf und leistet eine Abgabe an den Bund.

Dabei gelten diese Sätze für MWST in der Schweiz:

  • 7.7% für Güter und Dienstleistungen (normaler MwSt-Satz)
  • 3.7% für Beherbergungen inkl. Frühstück (Hotellerie und Parahotellerie)
  • 2.5% für Güter des täglichen Bedarfs (Le­bens­mittel und alkoholfreie Getränke, Bücher, Zeitungen und Zeitschriften, Medikamente sowie Eintritte an Sport- und Kulturveranstaltungen)


Mehrwertsteuer anmelden

Als Schweizer KMU gehen Sie bei der Mehrwertsteuer Schweiz folgendermassen vor:

  • Prüfen Sie, ob Ihr Unternehmen steuerpflichtig ist.
  • Nach Beginn der Steuerpflicht müssen Sie sich innert 30 Tagen unaufgefordert bei der Eid­ge­nössischen Steuer­verwaltung (ESTV) anmelden.
  • Beziehen Sie das Anmeldeformular des ESTV oder nutzen Sie deren Online-Portal.

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MWSt Schweiz – Online-Ab­rech­nung wird Standard

Am 19. Juni 2018 erschien eine Medienmitteilung der Eidgenössischen Steuerverwaltung (kurz ESTV), welche die Online-Deklaration der MWST Abrechnung zum zukünftigen Standard proklamierte. Die MWST-Abrechnung kann demnach nicht mehr beliebig lang in Papierform eingereicht werden. Im Verlauf des Jahres 2020 erfolgt der Wechsel von der Papier-Abrechnung zur Online-Abrechnung.

Die Mehrwertsteuer in der Schweiz geben Sie also zukünftig via Online-Plattform der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESVT) SuisseTax ab. Die ESTV SuisseTax bietet diese Vorteile:

  • Die automatische Zustellung der Papier-Abrechnung durch die ESTV entfällt. Die Papierabrechnung wird zukünftig nur noch auf schriftliches Gesuch hin zugeschickt.
  • Die Einreichung der Mehrwertsteuer Schweiz ist jederzeit möglich (24/7).
  • Sie können online Fristverlängerungen beantragen.
  • Abrechnungen können so nachträglich korrigert werden.
  • Die MWST Abrechnungen können dank der Abrechnungshistorie jederzeit eingesehen werden.

Im Verlauf des Jahres 2020 erweitert das ESTV die digitalisierte "SuisseTax" mit der "MWST-Abrechnung easy". Bei dieser neuen Form benötigen Sie keinen individuellen Account und Sie können fortzu wählen, ob Sie die MwSt-Abrechnung in digitaler Form einreichen oder diese z.B. von Ihrem Steuerberater ausgedruckt und von Ihnen unterzeichnet und der Steuerverwaltung zugesendet wird.


MWST-Kontrolle Schweiz – Vor­gehen

Bei der MWST handelt es sich um eine sogenannte Selbstveranlagungssteuer. Unter diesem Begriff ist zu verstehen, dass Sie selber für eine korrekte MWST Abrechnung Ihres Unternehmens die Verantwortung tragen. Die Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) führt deshalb immer wieder MWST-Kontrollen durch. Diese Kontrollen finden für die letzten 5 vergangenen Jahre statt. Für die Kontrolle wird der zuständige Revisor mit Ihnen Kontakt aufnehmen und eine Termin vereinbaren. Dieser findet an Ihrer Domi­zil­adresse und zu den üblichen Geschäftszeiten statt. Eine gute Vorbereitung lohnt sich. Legen Sie nebst den verlangten Unterlagen auch diese Akten im Vorfeld bereit:

  • Die jährlichen Umsatzabstimmungen Ihres Unternehmens
  • MWST-Abrechnungen und die Korrekturen dieser
  • Sämtliche Exportnachweise des Zolls
  • Unterlagen zu den verbuchten Privatanteilen
  • Weitere hilfreiche MWST Informationen
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Unterschied zwischen ver­ein­barten & vereinnahmten Ent­gelten?

Die empfohlene Methode: Abrechnung nach vereinbarten Entgelten
Diese Abrechnungsart wird von der Steuerverwaltung als Standard-Methode verwendet und empfiehlt sich allen Geschäftsführern mit einer professionell geführten Buchhaltung (Haupt- und Nebenbuch). Bei der Abrechnung nach vereinbarten Entgelten (Art. 39 Abs. 1 MWSTG) wird die MWST zum Zeitpunkt der Rechnungsstellung fällig. Die Umsätze sind in der MWST Abrechnungsperiode zu deklarieren, in der die Rechnung gestellt wurde.

Abrechnung nach vereinnahmten Entgelten
Diese Methode eignet sich ausschliesslich für die einfachsten Buchhaltungssysteme ohne Neben­bücher. Der Zeitpunkt der Zahlung einer Rech­nung (gilt für Kunden- und Liefe­ranten­rech­nungen) ist relevant für die Steuer­bemessung. Bei der Abrechnung nach ver­ein­nahmten Entgelten (Art. 39 Abs. 2 MWSTG) ist der Umsatz also in derjenigen MWST Abrechnungs­periode zu deklarieren, in der die Zahlung tatsächlich eintrifft oder ausgeht. Der Nachteil besteht darin, dass Sie mit einer vereinnahmten Buchhaltung keine tagesaktuellen Zahlen erhalten. Zudem muss diese Abrechnungsart bei der Eidg. Steuerverwaltung mit einem separaten Formular zur Genehmigung eingereicht werden.

Im Endergebnis bezahlt jeder denselben Betrag an Mehrwertsteuer, egal ob die vereinbarten oder vereinnahmten Entgelten als Abrechnungsmethode gesetzt werden. Der Unterschied liegt einzig im Zahlungszeitpunkt.

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Wann bezahle ich keine Mehr­wert­steuer mehr?

Sie beenden die unternehmerischen Tätigkeiten
Bei inländischen Unternehmen endet die Steuerpflicht mit dem Ende der unternehmerischen Tätigkeit oder - bei Vermögens­liquidation - mit dem Abschluss des Liqui­dations­verfahrens. Die Steuerpflicht bei aus­län­dischen Unternehmen endet am Schluss des Kalenderjahres, in dem letztmals eine Leistung im Inland erbracht wird. Dies ist dann der Fall, wenn keine weiteren Inlandleistungen erbracht wurden und mit höchster Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen wird, dass keine weiteren Inlandleistungen erbracht werden. Sollte einer dieser Fälle zutreffen, müssen Sie sich als steuerpflichtige Person innert 30 Tagen bei der ESTV schriftlich abzumelden.

Sie erreichen die MwSt-pflichtige Umsatzgrenze nicht mehr
Unterschreitet der massgebliche Umsatz Ihrer Firma die Umsatzgrenze von 100’000 CHF und der massgebende Umsatz erreichen Sie auch in der folgenden Steuerperiode nicht mehr, so können Sie sich von der Steuerpflicht befreien und Ihr Unternehmen aus dem MWST-Register gelöscht werden.

So funktioniert das Abmelden
Die Abmeldung ist frühestens auf das Ende der Steuerperiode möglich, in welcher der massgebende Umsatz erstmals nicht mehr erreicht wurde. Eine Nichtabmeldung wird als Verzicht auf die Befreiung von der Steuerpflicht gewertet. Die Abmeldung erfolgt rechtzeitig, wenn Sie diese innerhalb von 60 Tagen nach Ende der Steuerperiode der ESTV einreichen.​​​​​​​


Freiwillige Steuerpflicht für Start­ups

Mit der Firmengründung ist es möglich, das Unter­nehmen im Mehr­wert­steuer­register einzutragen. Obwohl Unternehmen jeglicher Rechtsform erst ab einem Jahresumsatz von 100’000 CHF in der Schweiz zu einer MWST verpflichtet sind, lassen sich immer wieder Unternehmen die nicht einer MWST unter­stehen, im Mehr­wert­steuer­register eintragen. In gewissen Fällen kann eine Eintragung trotz eines Umsatzes unter 100’000 CHF bereits sinnvoll sein:

  • Sie erzielen als Startup noch geringe Umsätze, haben aber grössere Investitionen und möchten die Vorsteuerabzüge nutzen.
  • Sie sind Zulieferer oder Dienstleister für mehr­wert­steuer­pflichtige Unternehmen.
  • Ihr Unternehmen exportiert grösstenteils nur ins Ausland. Obwohl auf Exporte keine MWST verrechnet werden muss, können Sie somit trotzdem die bezahlten Vorsteuern beziehen, wenn Sie beim Mehrwertsteuerregister angemeldet sind.
  • Bei einer Anmeldung sehen Ihre potenziellen Kunden nicht, dass Sie über einen Jahresumsatz von weniger als 100’000 CHF verfügen.

Fazit: Sobald Sie den Jahresumsatz von 100'000 CHF überschreiten, lohnt es sich, die Mehr­wert­steuer­pflicht zusammen mit einem idealen Berater, wie z.B. einem Treuhänder, abzuklären.


Vorsteuerabzug bei Mehr­wert­steuer Schweiz

Durchläuft ein Produkt in der Wertschöpfungskette mehrere Stationen, dürfen Sie als Unternehmen die bereits bezahlten Mehrwertsteuerbeträge den vorangehenden Stationen abziehen.
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FAQ: Häufige Fragen zur Mehrwertsteuer Schweiz


Ab wann ist man in der Schweiz mehr­wert­steuer­pflichtig?
Sobald Sie einen Jahresumsatz erwirtschaften, der höher ist als 100’000 CHF, sind Sie verpflichtet einen gewissen Prozentsatz des Umsatzes an die Mehr­wert­steuer zu entrichten. Der Steuersatz ist dabei abhängig von der Branche, in der Sie sich befinden und/oder dem Produkt, welches Sie verkaufen. Wenn Sie Ihren Firmenstandort in der Schweiz angegeben haben, der Umsatz aber haupt­sächlich im Ausland entsteht, sind Sie auch dann verpflichtet, die Mehrwertsteuer zu den geltenden Prozent­sätzen in der Schweiz zu bezahlen.

Was kostet die Mehrwertsteuer Bearbeitung durch den Treuhänder?
In der Regel berechnet ein Treuhänder für diese anspruchsvollere Aufgabe Preise von 120 - 250 CHF / Stunde. Dabei kommt es stark darauf an, wie komplex und gross Ihre Buchhaltung ausfällt. Kombiangebote sind nicht selten, bei denen der Treuhänder nebst der Mehrwertsteuer auch den Jahresabschluss oder die Steuererklärung übernimmt. Beachten Sie für ausführlichere Preisangaben unsere KMU Kosten-Benchmarks.

Ist die Mehrwertsteuer in der Schweiz bereits digitalisiert?
Ja, denn Mitte 2018 erschien eine Medienmitteilung der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV), welche die Online-Deklaration der MWST Abrechnung zum zukünftigen Standard proklamierte. Damit wird ein bedeutender Schritt hin zur Digitalisierung gemacht. Die Einreichung in Papierform wird in einigen Jahren nicht mehr möglich sein.

Warum tragen sich gewisse Jungunternehmen im Mehrwertsteuerregister ein, auch wenn Sie noch keine Mehrwertsteuer bezahlen?
Gerade wenn Sie ein Produkt betreiben, dass in der Herstellung mehrere Stationen durchläuft, lohnt es sich für Sie als Startup, sich im Mehrwertsteuerregister einzutragen. So können Sie die bereits bezahlen Mehrwertsteuerbeträge in der Herstellungskette abziehen. Sind Sie Zulieferer oder Dienstleister für mehrwertsteuerpflichtige Unternehmen, erhöht dies das Vertrauen in Ihre neu gegründete Firma, wenn Sie den Eintrag ins Mehrwertsteuerregister vornehmen.

Was ist der Unterschied von vereinnahmten und vereinbarten Entgelten bei der Ab­rech­nungs­methode der Mehrwertsteuer?
Bei der Abrechnung nach vereinbarten Entgelten wird die MwSt im Zeitpunkt der Rechnungsstellung fällig. Ebenso kann die Vorsteuer auf Aufwänden und Investitionen im Zeitpunkt des Rechnungsdatum geltend gemacht werden. Die Umsätze sind also in der MwSt Abrechnung zu deklarieren, in der die Rechnung (Rechnungsdatum) gestellt wurde. Bei der Abrechnung nach vereinnahmten Entgelten ist der Zeitpunkt der Zahlung einer Rechnung relevant.


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