Finanzen und Steuern

Kurzfristig Liquidität beschaffen

Kurzfristig Liquidität beschaffen

So beschaffen Sie kurzfristig Liquidität

Liquidität für Ihr Unternehmen beschaffen heisst, dafür zu sorgen, dass Sie über flüssige Mittel verfügen. Diese benötigen Sie, um Ihre kurzfristigen Verpflichtungen zu bezahlen, beispielsweise Lohnzahlungen, Lieferantenrechnungen, Mietkosten oder Kreditkosten.

Dafür müssen Sie die Geldflüsse im Griff haben: Welche Eingänge erwarten Sie und mit welchen Geldabflüssen rechnen Sie? Diese Zahlen rücken im herausfordernden Alltag vieler KMU in den Hintergrund. Es ist aber entscheidend, genau hinzuschauen, nichts zu verpassen und falls nötig rechtzeitig Lösungen zu suchen.

AchtungSelbst wenn Sie volle Auftragsbücher haben, sagt das nichts über Ihre Liquidität aus. Planen Sie jeweils rechtzeitig die Zahlungsströme für die nächsten Wochen und Monate.

Geldabflüsse minimieren, Geldeingänge überwachen

Verschaffen Sie sich zunächst eine Übersicht: Welche Beträge kommen wann rein und welche gehen wann raus? Wie gross ist die finanzielle Reserve und wo haben Sie Optimierungsmöglichkeiten?

So minimieren Sie die Geldabflüsse:

  • Schöpfen Sie mittels Lieferantenkredit bei offenen Lieferantenrechnungen die volle Zahlungsfrist aus (zum Beispiel 60 oder 90 Tage), damit das Geld länger auf Ihrem Konto verfügbar bleibt. So erhalten Sie mehr Luft.
  • Ist Ihr Lieferant allenfalls bereit, den geschuldeten Betrag in ein Darlehen umzuwandeln? Vielleicht kommt er Ihnen in diesem Punkt entgegen, wenn es ihm aus wirtschaftlicher Sicht möglich ist. Denn Lieferanten haben ebenfalls ein Interesse daran, ihre Kunden – zum Beispiel Ihr KMU – zu halten. Setzen Sie einen einfachen Darlehensvertrag auf mit dem geschuldeten Betrag und den Konditionen (zum Beispiel zur Verzinsung). Möglicherweise will Ihr Lieferant das Darlehen an Bedingungen knüpfen – etwa, dass Sie für eine bestimmte Zeit ausschliesslich bei ihm bestellen. Prüfen Sie, ob dies für Sie infrage kommt.

Überwachen Sie Ihre Geldeingänge:

  • Stellen Sie angefangene Aufträge möglichst rasch fertig und halten Sie Ihren gewohnten Fakturierungsrhythmus ein oder verkürzen Sie ihn sogar, um kurzfristig Liquidität zu beschaffen. Ihre Rechnungen haben dann oberste Priorität. Nur wenn Sie regelmässig (mindestens einmal pro Monat) Rechnungen für Ihre geleistete Arbeit schreiben, fliesst Geld auf Ihr Konto. Falls Sie dieser Pflicht wegen anderer Aufgaben bisher nicht immer nachgekommen sind, sollten Sie dies unbedingt ändern.
  • Halten Sie Ihr Mahnsystem strikte ein oder straffen Sie es.
  • Bieten Sie einen besonderen Anreiz, damit Ihre Kunden rascher zahlen: Führen Sie einen speziellen Skonto für Schnellzahlungen innerhalb von beispielsweise zehn Tagen ein.
  • Haben Sie den Mut, von Ihren Kunden etwas zu verlangen: Stellen Sie wenn immer möglich Akontorechnungen. Gerade bei länger dauernden Aufträgen verschafft Ihnen eine Teilzahlung vorab die benötigte Liquidität.
Beispiel Verrechnung Akontobetrag Ein Maler verrechnet bei der Renovation eines Hauses nach einem Monat einen Akontobetrag von 10’000 Franken, um Fixkosten wie Löhne und Material zu bezahlen.

Warenlager abbauen, Wareneinkauf optimieren

Die Warenlager vieler KMU sind gut gefüllt – oft auch, weil sie grössere Mengen zu guten Konditionen eingekauft haben. Diese Werte sind gebundene Liquidität. Benötigen Sie kurzfristig flüssige Mittel, ist jetzt der Zeitpunkt, das Warenlager zu verkleinern. Denn jedes verkaufte Produkt bedeutet eine Mehreinnahme.

  • Versilbern Sie die Bestände mit gezielten Aktionen: Bieten Sie die Warenbestände, insbesondere auch «Ladenhüter», zu besonderen Konditionen an. Nehmen Sie in Kauf, dass Artikel zu einem tieferen Preis weggehen als geplant – wenn nötig sogar unter den Selbstkosten (ergibt Deckungsbeiträge an die Fixkosten). Haben Sie für Ihr Warenlager externe Räumlichkeiten gemietet, erlaubt Ihnen eine Reduktion des Warenlagers zudem, auf einen kleineren, günstigeren Raum auszuweichen.
  • Bieten Sie Ihren Lieferanten an, für Sie ein Konsignationslager zu führen. Sprich: Sie nehmen eine Anzahl Produkte bei sich an Lager, und der Lieferant stellt Ihnen nur die Artikel in Rechnung, die Sie wirklich verkauft haben. Einen Versuch ist es wert – selbst wenn von fünf angefragten Lieferanten nur zwei darauf eingehen, ist etwas gewonnen.
  • Evaluieren Sie günstigere Warenlieferanten und vergleichen Sie Angebote, zum Beispiel beim Büromaterial. Wenn der Qualitätsunterschied nicht allzu gross, der Preis aber deutlich niedriger ist, können Sie sich überlegen, preiswertere Ersatzprodukte einzukaufen.
  • Nutzen Sie die Gelegenheit, eine generelle Sortimentsbereinigung vorzunehmen. Brauchen Sie wirklich zehn Varianten einer Produktgruppe oder reichen fünf?
Beispiel Warenlager abbauenEine Drogerie verfügt über ein Warenlager von 200’000 Franken: Wenn sie beginnt, gezielt Parfums und Pflegeprodukte der grossen Marken abzubauen, generiert sie willkommene neue Einkünfte.

Senken Sie die Fixkosten

Fixkosten sind Aufwände, die in Ihrem Unternehmen in regelmässigen Abständen anfallen und nicht von anderen Faktoren wie Umsatz oder Auslastung abhängen. Die Fixkosten bilden zusammen mit den variablen Kosten die Gesamtkosten. Zu den typischen Fixkosten gehören:

  • Mietkosten
  • Lohnkosten
  • Versicherungen
  • Kredite und Leasing
  • Energiekosten
  • Telekommunikations- und IT-Kosten
  • Kosten für Reinigung und Instandhaltung
  • Fuhrpark 
  • Leistungen externer Berater (etwa Steuerberater, Treuhänder)
  • Abschreibungen

Aufgrund der unterschiedlichen Kostenstrukturen von Unternehmen unterscheiden sich auch die Richtwerte für Fixkosten je nach Branche. Informieren Sie sich bei Ihrem Branchenverband, was dieser empfiehlt.

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So reduzieren Sie die Fixkosten in Ihrem Unternehmen

Wie können Sie unnötige Ausgaben in Ihrem Unternehmen identifizieren und senken? Beginnen Sie mit einer Zusammenstellung der aktuellen Fixkosten und prüfen Sie anhand dieser Auflistung, wo Sparpotenzial besteht:

  • Mietkosten
    Überprüfen Sie Ihren Platzbedarf und den Standort Ihrer Räumlichkeiten. Mieten Sie nur so viele Quadratmeter, wie Sie auch wirklich benötigen, und überlegen Sie sich, ob Ihr Standort tatsächlich mitten in der Stadt sein muss.
  • Lohnkosten
    Ist es sinnvoll, gewisse Aufgaben kostengünstiger extern erledigen zu lassen? Viele KMU lagern beispielsweise die Lohnbuchhaltung aus. Auch gewisse HR-Funktionen oder Sekretariatsleistungen können von externen Spezialisten effizienter erledigt werden.
  • Service- und Dienstleistungsverträge
    Überlegen Sie bei jedem Vertrag genau, ob und in welchem Umfang Sie ihn benötigen.
  • Versicherungen
    Schliessen Sie keine unnötigen Versicherungen oder Zusatzversicherungen ab und vermeiden Sie Doppel- und Überversicherungen.
  • Lagerbestände und Lagerkosten
    Halten Sie Ihre Lagerbestände möglichst tief. Führen Sie Just-in-time-Lieferung ein, um auch Ihre Lagerkosten niedrig zu halten.
  • Kündigen Sie unnötige Verträge, Mitgliedschaften bei Verbänden und Vereinen oder Abonnemente, auf die Sie verzichten können.
AchtungLangfristige Verträge können oft nicht von heute auf morgen gekündigt werden. Erstellen Sie sich eine Übersicht über Ihre Verträge und die Kündigungsfristen, damit Sie den Überblick behalten.

Halten Sie die Fixkosten in Ihrem Unternehmen dauerhaft tief und überprüfen Sie diese nicht nur bei Liquiditätsengpässen, sondern regelmässig einmal pro Jahr. Die folgende Checkliste zur Überprüfung der Fixkosten in Ihrem Unternehmen hilft Ihnen dabei:

Fixkosten senken in einer finanziellen Notsituation

Befindet sich Ihr Unternehmen in einer finanziellen Notsituation, gehen Sie bei der Senkung Ihrer Fixkosten konsequenter vor, als wenn Sie diese der regelmässigen Überprüfung unterziehen. Erwägen Sie in der Notsituation auch folgende Massnahmen gründlich:

  • Falls es die Auftragslage zulässt: Bieten Sie Ihren Angestellten an, unbezahlte Ferien zu beziehen und/oder Überstunden und Überzeit abzubauen.
  • Verzichten Sie auf Lohnvorauszahlungen an Ihre Mitarbeitenden.
  • Prüfen Sie, ob für Ihr Unternehmen die Einführung von Kurzarbeit infrage kommt, und setzen Sie diese Massnahme um. Reduzieren Sie wenn möglich vorübergehend Ihren eigenen Lohn und greifen Sie auf Erspartes zurück. Vergessen Sie dabei aber den Versicherungsschutz nicht. Schreiben Sie sich Ihren Lohn allenfalls nur gut, bezahlen ihn aber nicht aus.
  • Arbeiten Sie für Ihre Mitarbeitenden ein Frühpensionierungskonzept aus.
  • Passen Sie Ihren Marketingplan an und reduzieren Sie damit Ihre Marketingkosten.
  • Prüfen Sie, ob Sie Teile der Mieträumlichkeiten, die Sie gegenwärtig nicht zwingend benötigen, kündigen können, zum Beispiel Aussenlager, Keller oder Garagen. Oder warum nicht einen Teil der Räumlichkeiten untervermieten? Wenn Sie einen Untermieter finden und Ihr Vermieter zustimmt, reduzieren Sie die drückende Mietlast. Versuchen Sie ansonsten, eine Senkung oder einen Aufschub des Mietzinses (oder beides) zu erwirken: Schreiben Sie Ihrem Vermieter einen Brief (siehe unten stehende Vorlage), in dem Sie Ihre Situation erklären, und bitten Sie um ein Entgegenkommen – das kann eine vorübergehende Erlassung, eine Reduktion oder ein Aufschub der Miete sein.
  • Reichen Sie bei der zuständigen Steuerbehörde ein Gesuch um Ratenzahlung oder Stundung ein.

Evaluieren Sie neue Finanzquellen

Wenn die oben genannten Massnahmen nicht zum gewünschten Ziel geführt haben und Ihnen in finanzieller Hinsicht immer noch die Luft zum Atmen fehlt, lohnt es sich, neue Finanzierungsquellen ins Auge zu fassen. Infrage kommen:

  • Bankkredit aufnehmen
    Denken Sie darüber nach, einen Bankkredit aufzunehmen, um Liquidität zu beschaffen. In vielen Fällen verlangen die Banken Sicherheiten; prüfen Sie, ob beispielsweise ein Gesuch an eine Bürgschaftsgenossenschaft für Sie infrage kommt.
  • Bankkredit einsetzen oder erhöhen
    Verfügen Sie über eine Bankkreditlimite, setzen Sie diese nun ein. Falls die bestehende Limite nicht ausreicht, beantragen Sie eine Erhöhung – möglicherweise gibt es noch Spielraum.
  • Sachwerte abstossen
    Stossen Sie Sachwerte ab, die Sie für den Betrieb oder die Produktion nicht zwingend benötigen: zum Beispiel eine Maschine, die Sie nur einmal im Jahr oder gar nicht mehr brauchen, die aber einen hohen Sachwert hat.
  • Verkauf (allenfalls als Rückmietverkauf) von Immobilien
    Ist Ihr Unternehmen im Besitz von Immobilien können Sie durch einen Verkauf Liquidität beschaffen. Bei einem Rückmietverkauf (auch Sale-Lease-Back genannt) schliessen Sie für Ihre verkaufte Immobilie, etwa für eine Werkstatthalle, anschliessend einen Leasingvertrag ab. Dadurch werden Sie vom Eigentümer zum Leasingnehmer Ihrer Räumlichkeiten.
  • Mietkaution
    Verflüssigen Sie die Mietkaution durch den Abschluss einer Mietkautionsversicherung, falls dies Ihre Vermieterin akzeptiert.
  • Überbrückungsdarlehen
    Prüfen Sie die Möglichkeit, Überbrückungsdarlehen in Ihrem privaten Umfeld aufzunehmen.
  • Aktien oder Stammkapital verkaufen
    Wenn Sie Inhaberin einer AG oder einer GmbH sind: Bieten Sie Dritten Teile des Aktien- oder Stammkapitals an und bringen Sie das verflüssigte Geld aus dem Verkauf als Darlehen ins Unternehmen ein. Aber Vorsicht: Die Drittperson wird dadurch zum Mitbesitzer des Unternehmens. Prüfen Sie, ob das für Sie und Ihr Unternehmen überhaupt infrage kommt.
  • Crowdfunding
    Prüfen Sie die Möglichkeit einer Alternativfinanzierung mithilfe von Crowdfunding.

Liquidität beschaffen – weitere Möglichkeiten

Kommen die oben genannten Finanzierungsquellen nicht infrage, gibt es weitere Möglichkeiten, die Sie prüfen sollten, um kurzfristig Liquidität zu beschaffen.

Lieferantenkredit

Der Lieferantenkredit ist nicht aufwendig. Bezahlen Sie die Rechnungen Ihrer Lieferanten erst am letzten Tag der Zahlungsfrist. Sie verzichten dadurch zwar auf den Skonto-Abzug, gewinnen aber ein wenig finanziellen Spielraum. 

AchtungKlären Sie Ihre Lieferanten über Ihren finanziellen Engpass auf, kann das auch dazu führen, dass diese – anstatt Ihnen zu helfen – die Lieferkonditionen verschärfen, indem sie Voraus- oder Barzahlung verlangen.

Der Lieferantenkredit ist zwar ohne grossen Aufwand umsetzbar, er lohnt sich aber auch kaum und kann schnell sehr teuer werden (siehe unten stehendes Beispiel). Ein Bankkredit, der es Ihnen ermöglicht, von den Skonti und Rabatten Ihrer Lieferanten zu profitieren, ist die günstigere Lösung. Nutzen Sie falls irgendwie möglich die Skonti und Rabatte, die Ihnen gewährt wurden, immer aus.

Beispiel Würden Sie Ihre Rechnung innerhalb der Skontofrist von 10 Tagen bezahlen, könnten Sie 3 Prozent Skonto vom Rechnungsbetrag abziehen. Nehmen Sie aber den Lieferantenkredit in Anspruch und bezahlen erst am letzten Tag des Zahlungsziels, akzeptieren Sie damit für diese 30 Tage eine effektive Jahresverzinsung von 54 Prozent.
Formel Berechnung Jahreszinssatz mit Beispiel
Illustration: Alexandra Del Prete

Kontaktieren Sie Ihre Lieferanten, wenn es Ihnen auch am letzten Tag der Zahlungsfrist nicht möglich ist, die Rechnung zu bezahlen. Erklären Sie die Situation und bitten Sie, den Betrag während ein paar Monaten zu stunden. Unterzeichnen Sie dafür gemeinsam mit dem Lieferanten eine Stundungsvereinbarung. Es ist gut möglich, dass der eine oder andere Geschäftspartner auf Ihre Bitte eingeht, denn auch er hat ein Interesse, dass sich Ihre finanzielle Lage stabilisiert.

Aktivierung der Arbeitgeberbeitragsreserve

Viele KMU tragen schwer an den finanziellen Belastungen durch die Sozialversicherungsbeiträge. Aktivieren Sie Ihre Arbeitgeberbeitragsreserve bei der Pensionskasse – falls Sie diese freiwilligen Vorauszahlungen geleistet haben. Dann können Sie einen Teil – oder die ganzen Arbeitgeberbeiträge – über diese Reserve finanzieren und erhalten etwas Luft. Kontaktieren Sie dazu Ihre Vorsorgeeinrichtung schriftlich.