Richtig versichert? Die wichtigsten Versicherungen für KMU

Welche Versicherungen sind für KMU obliga­torisch, worauf kommt es beim Ab­schluss an und was ändert sich ab 2022? Die zentralsten As­pekte haben wir Ihnen kom­pakt zusammen­gefasst.

Zeichnung eines grossen Schirms, der Personen im Anzug schützt

Welche Versicherungen sind für KMU obli­ga­torisch?

Zu den Versicherungen, die sowohl für Personen­gesell­schaften (Einzel­firma, Kollektiv­gesell­schaft) als auch für Kapital­gesell­schaften (GmbH, AG) obli­ga­torisch sind, gehören die Sozial­ver­si­che­rungen fürs Per­sonal – AHV/IV/EO, Familien­zulagen, Unfall­ver­sicherung und Pensions­kasse – und, sofern im Unter­nehmen Fahr­zeuge im Ein­satz sind, die Motorfahrzeugversicherung. Weitere Ver­si­che­rungen sind je nach Unter­nehmens­form und Branche frei­willig oder Pflicht:

  • Arbeitslosenversicherung (ALV): Für die Mit­ar­bei­tenden ist die ALV immer obli­ga­torisch. Auch Inha­berinnen und In­haber von Kapital­gesell­schaften sind obli­ga­torisch bei der ALV ver­sichert. Für In­habende von Per­sonen­gesell­schaften ist der An­schluss an die Arbeits­losen­ver­sicherung nicht möglich.
     
  • BVG: Das BVG-Obligatorium gilt für alle Arbeit­nehmenden, deren Lohn­summe mindestens 21’510 CHF beträgt (Stand 2022). Aus­genommen von der BVG-Pflicht sind Inhaberinnen und Inhaber von Personen­gesell­schaften.
     
  • Unfallversicherung (UVG): Zur Unfallversicherung nach UVG gehören die Berufs­unfall-, die Nicht­berufs­unfall- und die Unfall­zusat­zver­sicherung (UVGZ). Alle Ange­stellten müssen gegen Berufs­unfall ver­sichert sein; die Nicht­berufs­unfall­ver­sicherung ist für Mit­ar­bei­tende obliga­torisch, die min­destens 8 Stunden pro Woche bei der- oder dem­selben Arbeit­gebenden tätig sind. Inhabende von Kapital­gesell­schaften sind eben­falls obliga­torisch gegen Unfall ver­sichert. Inhabende von Personen­gesell­schaften können sich frei­willig einer Unfall­ver­sicherung an­schliessen. Tun sie dies nicht, müssen sie die Heilungs­kosten über die Krankenkasse versichern lassen. Die Unfall­zusatz­ver­sicherung ist jeweils frei­willig.
     
  • Berufshaftpflicht: Für gewisse Branchen ist die Berufs­haft­pflicht­ver­sicherung obliga­torisch, für andere frei­willig. Beispiels­weise ist gesetzlich geregelt, dass Ärzte oder An­wältinnen eine Berufs­haft­pflicht­ver­si­cherung ab­schliessen müssen, um ihre Tätig­keit auf­nehmen zu können.


Weitere nützliche Versicherungen für KMU:

  • Die Krankentaggeldversicherung (KTG) tritt an die Stelle der gesetz­lichen Lohn­fort­zahlungs­pflicht Arbeitgebender, wenn Mit­ar­bei­tende aufgrund einer Krank­heit arbeits­un­fähig sind.
  • Die Betriebshaftpflicht deckt Schäden an Dritten, für die das Unter­nehmen haft­pflichtig ist.
  • Die Cyberversicherung schützt ein Unternehmen vor den finanziellen Folgen einer mög­lichen Cyberattacke.
  • Die Rechtsschutzversicherung kommt bei Rechts­streitig­keiten zum Einsatz und über­nimmt dabei zum Beispiel die Rechts- und Anwalts­kosten.
  • Die Sachversicherung deckt Schäden an Ein­richtungen, Firmen­gebäuden etc., die durch Feuer, Elementar­ereignisse, Erdbeben, Dieb­stahl, Glasbruch oder Wasser verursacht werden.
  • Die Transportversicherung schützt vor finanziellen Schäden, die während eines Waren­transports entstehen.


Die Lebensversicherung als Alter­native zum BVG

Inhaberinnen und Inhaber von Personen­gesell­schaften sind nicht obliga­torisch dem BVG unter­stellt. Sie können sich frei­willig einer Pensions­kasse an­schliessen – zum Bei­spiel der­jenigen ihres Personals – oder sie haben die Mög­lich­keit, eine Lebensversicherung abzu­schliessen, die dem Schutz einer BVG-Lösung nahe kommt. Dabei gibt es ver­schiedene Arten:

  • Bei einer reinen Risikolebensversicherung für Todesfall und/oder Erwerbs­un­fähig­keit/In­vali­dität wird die verein­barte Leistung nur aus­gezahlt, wenn das ver­sicherte Risiko tat­sächlich eintritt.
  • Mit einer kapitalbildenden Versicherung lässt sich der Lebens­standard im Renten­alter sichern. Kapital­bildende Ver­si­cherungen werden häufig mit einer Risiko­versicherung kombiniert (gemischte Versicherung).
  • Kapitalbildende Lebensversicherungen können entweder mit einem festen Zins­satz oder fonds­gebunden abge­schlossen werden. Bei einer fonds­gebundenen Lebens­versicherung hängt die Höhe der Aus­zahlung von der Kurs­ent­wicklung an der Börse ab. Sie ist somit mit gewissen Risiken ver­bunden, und es empfiehlt sich, sich vor Abschluss von einem Vorsorgeexperten oder einer Vor­sorge­expertin beraten zu lassen.


Wann kann die be­stehende Ver­sicherung ge­wechselt werden?

Wenn Sie eine bestehende Versicherung wechseln wollen, müssen Sie die Kündi­gungs­frist ein­halten. Beim BVG beispiels­weise beträgt diese in der Regel sechs Monate, bei der Kranken­tag­geld­ver­sicherung drei Monate auf Jahres­ende. Mass­gebend sind in jedem Fall die Allge­meinen Ver­si­cherungs­bedingungen (AVB). Bei der Unfall­ver­sicherung ist die Kün­digungs­frist indivi­duell im Vertrag geregelt. 

Eine Ausnahme gilt bei einer Prämien­er­höhung. In diesem Fall kann die KTG-Ver­sicherung in der Regel inner­halb eines Monats nach Er­halt der Prämien­er­höhung oder auf den letzten Tag des Ver­sicherungs­jahres gekündigt werden. Bei der Unfall­ver­sicherung muss die Kündigung einen Monat vor Ein­setzen der Prämien­er­höhung bei der Ver­si­cherungs­gesell­schaft einge­troffen sein.

Nebst der Kündigungsfrist muss auch die Mindest­lauf­zeit beachtet werden. Diese ist von Versicherung zu Versicherung unter­schiedlich. Seit dem Inkraft­treten des revi­dierten Ver­si­cherungs­ver­trags­gesetzes (VVG) per Januar 2022 gilt neu ein ordent­liches Kündi­gungs­recht nach drei Jahren Lauf­zeit – auch bei länger dauernden Verträgen (mit Aus­nahme der Lebens­ver­sicherungen. Zudem kann nun auch per E-Mail gekündigt werden. Eben­falls seit Anfang 2022 haben Ver­si­cherungs­nehmende ein Rück­tritts­recht von 14 Tagen ab der Vertrags­unter­zeichnung, und für die Kranken­ver­si­cherungs­gesell­schaften gilt ein Kündigungsverbot.


Und wie findet man nun die passende Ver­sicherungs­lösung?

Die grosse Auswahl an Versicherungen kann überwältigend sein. Diese Fragen können aber helfen, die passende Ver­sicherungs­lösung für Ihr Unter­nehmen zu finden:

  • Welche Versicherungen sind für Ihr Unter­nehmen und Ihre Branche obligatorisch?
  • Welche Ereignisse können die Existenz Ihres Unter­nehmens gefährden? Diese Risiken sollten Sie unbedingt versichern.
  • Mit welcher Schadenssumme ist maximal zu rechnen? Passen Sie den Risikoschutz dem­entsprechend an.
  • Wie hoch ist der maximale Selbst­behalt, den Sie pro Schadens­fall selber tragen können? Mit hohen Selbst­behalten sparen Sie Prämien.
  • Gibt es Versicherungen, die sich nicht lohnen, weil die Deckung sehr begrenzt ist oder die Risiken bereits anderswo versichert sind? Beispiels­weise braucht ein Einzel­unter­nehmer mit einem Um­satz von 12’000 CHF keine Betriebs­haft­pflicht­versicherung, weil solche Schäden meist von der privaten Haft­pflicht­ver­sicherung über­nommen werden. Eine Cyber­ver­sicherung kann separat oder als Zusatz zur Betriebs­haft­pflicht­ver­sicherung abge­schlossen werden und eine Insassen­versicherung als Ergänzung zur Motor­fahr­zeug­haft­pflicht­versicherung lohnt sich in der Schweiz oft nicht, da die Mit­fahrenden bereits über den Arbeit­geber oder die Arbeit­geberin unfall­versichert sind.

Bestehende Versicherungen sollten Sie regel­mässig überprüfen, um sicher­zustellen, dass Ihr Unter­nehmen nicht zu viel Prämien bezahlt und auch nichts doppelt versichert ist. Ebenso sollte regel­mässig über­prüft werden, welche Mit­ar­beitende neu BVG-pflichtig sind oder es bald werden. Bei bestehenden Ver­si­cherungen lohnt es sich auch, von Zeit zu Zeit Alter­nativen zu prüfen. GRYPS arbeitet mit qualifi­zierten Ver­sicherungs­anbietern in der Schweiz zusammen und hilft Ihnen gerne kosten­los dabei, bis zu drei Ver­sicherer zu finden, damit Sie diese mit­einander und allen­falls mit Ihrer bestehenden Versicherung ver­gleichen können.

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