1e-Vorsorgepläne: Vorsorgegelder selbstbestimmt investieren

Fachbeitrag von Christian Beckstedde, Swiss Life

In der beruflichen Vorsorge gilt das Kollektivitätsprinzip. Deshalb besteht naturgemäss wenig Freiraum für Individualität, mit einer Ausnahme:
Bei sogenannten «1e-Lösungen» können Mitarbeitende die Anlagestrategie selbst wählen. Und so potenziell höhere Anlageerträge erwirtschaften. Oft sehen 1e-Lösungen zudem bei Pensionierung keine Altersrente vor, ausbezahlt wird nur in Form von Kapital.

Ehepaar

In der Volksabstimmung vom 24. September 2017 lehnte das Schweizer Stimmvolk die Vorlage zur Reform Altersvorsorge 2020 ab. Mit diesem «Nein» bleibt unter anderem der gesetzlich vorgeschriebene Umwandlungssatz für das obligatorisch angesparte Kapital in der beruflichen Vorsorge bei 6,8%. Für ein Vorsorgeguthaben von 100 000 Franken gibt es mit diesem Umwandlungssatz eine jährliche Rente von 6 800 Franken.
 

Umwandlungssatz versus Lebenserwartung
Der hohe Umwandlungssatz ist für die Pensionskassen eine Herausforderung, da sie neben den Risiken für Erwerbsunfähigkeit und den Hinterbliebenenschutz auch die lebenslangen Altersrenten sicherstellen müssen. Mit einem Umwandlungssatz von 6,8% reicht das obligatorisch abgesparte Altersguthaben der versicherten Personen ohne Berücksichtigung einer Verzinsung 14,7 Jahre. Gemäss Angaben des Bundesamtes für Statistik liegt aber aktuell die durchschnittliche Lebenserwartung bei den 65-Jährigen in der Schweiz bei 18,9 Jahren (Männer) bzw. 22,0 Jahren (Frauen).

Das immer längere Leben ist eine erfreuliche Tatsache, doch geht für die Pensionskassen so die Rechnung nicht mehr auf, denn sie müssen die Altersrenten ungeachtet des vorhandenen Alterskapitals in gleicher Höhe weiter auszahlen. Dies ist im aktuellen Marktumfeld nur sehr schwer finanzierbar oder geschieht auf Kosten der heutigen Arbeitnehmer, die mit zu hohen Beiträgen die laufenden Renten der älteren Generation finanzieren müssen. Dies widerspricht dem Sinn des Kapitaldeckungsverfahrens der Pensionskassen, bei dem jeder die Rente bekommen soll, für die er selber gespart hat.


1e-Vorsorgepläne

Senkung des Umwandlungssatzes im überobligatorischen Teil
Als Ausgleichsmassnahme haben in jüngerer Vergangenheit zahlreiche Pensionskassen den Umwandlungssatz im überobligatorischen Teil der beruflichen Vorsorge teilweise bereits unter 5 Prozent gesenkt. Diese Freiheit haben sie. Vom «Überobligatorium» spricht man ab einem Lohn von 84 600 Franken (siehe Grafik).

Häufig wenden die Pensionskassen bei der Berechnung der Altersrente für das obligatorische und das überobligatorische Altersguthaben einen einheitlichen, sog. «umhüllenden» Umwandlungssatz an, der tiefer ist als der gesetzlich vorgeschriebene. Dies ist zulässig, sofern die obligatorischen Leistungen eingehalten werden.
 

Zusätzlicher Spielraum im 1e-Bereich
Diese «Quersubventionierung» ist für Mitarbeitende mit überobligatorischen Lohnanteilen unschön und lässt sich nur teilweise umgehen: Ein 1e-Vorsorgeplan gewährt etwas zusätzlichen Spielraum, allerdings nur für Lohnanteile über 126 900 Franken (siehe Grafik).

Ein solcher 1e-Plan gilt immer für alle angeschlossenen Mitarbeitenden. Jeder kann aber die Anlagestrategie auf seinen persönlichen Anlagehorizont und seine persönliche Risikofähigkeit individuell abstimmen. Damit lässt sich die Rendite der Vorsorgegelder nachhaltig optimieren. Die Möglichkeiten reichen von einer Aktienquote von rund 50% bis hin zu einer risikoarmen Strategie, die jeder Anbieter von 1e-Vorsorgeplänen anbieten muss.

Die Bezeichnung «1e» erinnert übrigens an den Artikel 1e der Verordnung über die berufliche Vorsorge (BVV 2), in der die 1e-Vorsorgepläneg geregelt sind.
 

Chancen und Risiken einer 1e-Lösung
Versicherte tragen im Rahmen einer 1e-Lösung das Risiko selber, profitieren aber von Renditechancen. Bei einem Austritt aus einem 1e-Vorsorgeplan können die Versicherten einen höheren Anlagertrag mitnehmen, müssen im gegenteiligen Fall aber einen allfälligen Verlust selber tragen.

Aus diesem Grund sind 1e-Vorsorgepläne für Unternehmen besonders vorteilhaft, die die Buchführung nach lAS/IFRS machen, da sie für das in einer 1e-Lösung angesparte Kapital keine Rückstellungen bilden müssen. Somit profitiert ein solches Unternehmen von tieferen Vorsorgeverpflichtungen in seiner Bilanz. Weiter positionieren sich solche Unternehmen als moderner Arbeitgeber und fördern die Eigenverantwortung ihrer Kader-Mitarbeitenden.
 

Vorteile für Angestellte
Mit einer 1e-Lösung können Versicherte ihre Vorsorgegelder in eine selbstgewählte Anlagestrategie investieren – abgestimmt auf den persönlichen Anlagehorizont und die persönliche Risikofähigkeit. Auch ein Dienstjahreseinkauf ist je nach Situation möglich, wobei es sinnvoll ist, das vorhandene Einkaufspotenzial nicht auf einmal auszuschöpfen, sondern die Einkäufe gestaffelt über mehrere Jahre zu tätigen. So wird die Wahrscheinlichkeit reduziert, einen eher unvorteilhaften Zeitpunkt für die Geldanlage zu treffen. Weiter lassen sich dadurch auch die Steuern gezielter optimieren. Ein Vorbezug zur Wohneigentumsförderung (WEF-Vorbezug) ist bei einer 1e-Lösung zu den gleichen Regeln möglich wie im obligatorischen Teil der beruflichen Vorsorge.
 

Handlungsspielraum in der beruflichen Vorsorge nutzen
Auch ohne Kaderlösung oder 1e-Vorsorgeplan ist es sinnvoll, von Zeit zu Zeit die versicherten Leistungen in der beruflichen Vorsorge zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Es macht z.B. Sinn, das Personal in verschiedenen Kategorien zu versichern, um so einen optimalen Versicherungsschutz für alle Personen- und Lohngruppen zu gewährleisten.

Gerade in Anbetracht der eingangs erwähnten Ablehnung der Reform der Altersvorsorge 2020 und dem weiter unbestrittenen Reformbedarf ist es für die Versicherten von zentraler Bedeutung, dass sie den ohnehin vorhandenen Handlungsspielraum in der beruflichen und privaten Vorsorge kennen und nutzen.

Gerne zeige ich Ihnen die Möglichkeiten auf und unterstütze Sie bei der Überprüfung Ihrer beruflichen Vorsorge.

Christian BecksteddeChristian Beckstedde

Christian Beckstedde
Dipl. Vorsorgespezialist Privat- und Unternehmenskunden Swiss Life
Dipl. Finanzberater IAF
Mobile +41 78 817 55 01
christian.beckstedde@swisslife.ch

Generalagentur Zürich-Limmatquai
Limmatquai 94 
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www.swisslife.ch

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