Wohneigentumsvorbezug – Altersguthaben aus der Pensionskasse vorbeziehen?

WohneigentumsvorbezugDer Traum vom eigenen Haus ist ein Traum, den viele Schweizer Familien haben. Bis die Schwelle ins neue Eigenheim überschritten werden kann, gibt es einiges zu planen und zu überdenken. Für die meisten Eigenheimbesitzer ist es das wohl finanziell umfangreichste Projekt Ihres Lebens – selten wird so viel Geld mit einem einzigen Geschäft bewegt.

Der Kauf und die Suche eines Eigenheimes ist auch ein sehr emotionaler Moment – und gerade deswegen ist es wichtig, ruhig und besonnen und ohne Zeitdruck zu planen und genau zu prüfen, welche Optionen es gibt.
 

Finanzierung

In der Regel finanzieren die Banken und Versicherungen ein Eigenheim mit einer Hypothek von maximal 80 %. Die restlichen 20 % gilt es daher selber aufzubringen, wozu es neben dem Sparbüchli noch weitere Möglichkeiten gibt:

Eine beliebte und verbreitete Form der Erhöhung der Eigenmittel für die Finanzierung des Eigenheims ist sicher der Wohneigentumsvorbezug (WEF) aus der 2. und 3. Säule. Gerade in der 2. Säule (BVG) sind im Laufe der Jahre oft grössere Summen Altersguthaben zusammengekommen und der Arbeitgeber beteiligt sich mit mindestens 50 % der Kosten am Sparprozess. Daher ist die Verlockung, das Altersguthaben ins Eigenheim zu investieren gross. Diese Gelder sind, wie der Name "Altersguthaben" schon andeutet, eigentlich für die Finanzierung der Pension gedacht, weshalb es in jüngster Zeit in der Politik viele Diskussionen um den Sinn eines Vorbezugs gab. Sicher sollte die Verwendung dieser Gelder gut überlegt sein und bei Zweifeln mit einem Fachmann diskutiert werden. So stellt man sicher, dass die geplante Rückführung der bezogenen Gelder auch realistisch ist und wie stark sich der Bezug auf die Altersleistungen auswirkt.

Worauf Sie achten sollten

Unter Umständen, je nachdem, wie der Vorsorgeplan definiert ist, kann es bei einem Bezug des Altersguthabens auch Einbussen bei der Höhe der Erwerbsunfähigkeits- und Hinterbliebenenrenten geben, was gerade als Eigenheimbesitzer fatale Folgen haben könnte. Auch sind die steuerlichen Auswirkungen eines Vorbezugs vielen nicht bekannt und bergen somit einiges an Überraschungspotential:

Die Berechnung der Höhe der Steuer bei einem Bezug wird zwar separat vom übrigen Einkommen vorgenommen, dennoch ist die zu zahlende Kapitalleistungssteuer progressiv. Sie steigt überproportional, je höher der bezogene Betrag ist. Ist genügend Liquidität für die 20 % Eigenmittel vorhanden, könnte mit dem Bezug die Höhe der Hypothek gesenkt werden.

Oft empfiehlt sich in dieser Situation dann aber auch eine Verpfändung des Altersguthaben anstelle eines Bezugs. Die Verpfändung gestattet dem Hypothekengeber den Zugriff auf das Altersguthaben, falls der Schuldner in Zahlungsschwierigkeiten gerät oder der Wert der Immobilie drastisch sinken sollte. Oft vergeben die Banken und Versicherungen die Hypotheken auch zu besseren Konditionen, wenn der Schuldner eine zusätzliche Sicherheit bietet, da das Risiko für den Hypothekargeber dadurch sinkt.

Vorteile einer Verpfändung des Altersguthaben

Die Vorteile einer Verpfändung gegenüber eines Bezugs wären folgende:

  • Das Geld bleibt in der Pensionskassenlösung und bleibt somit zur Finanzierung der Pension in seinem eigentlichen Zweck bestehen.
  • Das Altersguthaben wird weiterhin verzinst.
  • Da kein Geldfluss stattfindet, ist auch keine Steuer für den Bezug zu bezahlen.
Vorteile des Bezugs

Die Vorteile eines Bezugs gegenüber einer Verpfändung wären dagegen:

  • Sie benötigen weniger Eigenmittel aus der 3. Säule oder vom Barbestand und haben somit liquide Reserven für z.B. Renovierungen, Notarkosten und ungeplante Ausgaben.
  • Durch einen Bezug kann die Hypothek auch geringer als die maximalen 80 % sein, was zu einer tieferen Zinsbelastung führt.
  • Durch die verbesserte Tragbarkeit der Hypothek können bessere Zinskonditionen verhandelt werden.
Wichtig zu wissen
  • Bis zum Alter von 50 Jahren darf man das gesamte Altersguthaben der 2. Säule beziehen. Ab 50 ist die Höhe des Bezugs allerdings nur eingeschränkt möglich. Entweder darf derjenige Betrag, der im Alter 50 vorhanden war oder die Hälfte des zum Zeitpunkt des Bezugs vorhanden Altersguthaben bezogen werden.
  • Je nach Reglement gibt es Abweichungen und Mindestbeträge für den Vorbezug.
  • Für künftige, steuerbegünstigte Dienstjahreseinkäufe ist es erforderlich, den kompletten bezogenen Betrag wieder zurückzuzahlen. Erst dann können die Dienstjahreseinkäufe wieder von der Steuer abgezogen werden.

In jedem Fall empfiehlt es sich, einige Stunden Zeit in eine gute Beratung zu investieren, damit nicht nur das Eigenheim, sondern auch die Planung auf einem soliden Fundament steht.

Christian Beckstedde Swiss Life
GA Zürich Limmatquai
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Christian Beckstedde arbeitet bei der Swiss Life als Berater für Privat- und Firmenkunden.
Seine Spezialgebiete sind die Beratung und Betreuung von Startups sowie Pensionskassenlösungen für KMUs und Kaderlösungen.

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