Der direkte Draht

Unternehmungen, die eine Expansion ins Ausland planen, finden vielerlei Unterstützung für die Firmengründung und Administration, beispielsweise von den Handwerkskammern und anderen spezialisierten Einrichtungen. Sobald aber das Thema Informatik mitspielt, tritt eine gewisse Unsicherheit auf, und die Motivation erleidet einen Dämpfer.

Diese Ängste sind teilweise berechtigt, da bereits mit einer unglücklichen Standortwahl ein möglicher Anschluss an das Mutterhaus sehr aufwendig oder gar unmöglich werden kann. Der Business-Plan ist für die IT eine wichtige Grundlage und kann zu verschiedenen Szenarien führen. So wird oft gerne im kleinen Rahmen eine Firma im Ausland ohne längere Verbindlichkeit aufgebaut. Managed Offices sind dabei eine beliebte Wahl für die ersten Monate oder Jahre. Die IT Landschaft mit den am neuen Standort benötigten Applikationen ist vorab zu definieren und mit dem Data-Owner-Konzept abzustimmen. Sollte kein Data-Owner-Konzept vorliegen, so helfen auch 'vernünftige Auslegungen' unserer schweizerischen Standards.
Grundsätzlich müssen jedoch folgende Überlegungen angestellt werden:

  • Gibt es gesetzliche Einschränkungen?
  • Sollen die Mitarbeiter/innen auf Daten in der Schweiz unbeschränkt zugreifen dürfen?
  • Soll der neue Standort autonom lauffähig sein auch ohne Schweiz?
  • Sollen die Daten am Standort abgelegt werden?
Zwei mögliche Wege

Die beiden grundsätzlichen Vorgehensweisen mit einem Managed Office gegenüber eigenen Büroräumlichkeiten unterscheiden sich massgeblich von der Anbindungsart der Infrastruktur an das Firmennetzwerk. Beim Managed Office ist eine oft recht gute Anbindung an das Internet bereits vorhanden. Beim eigenen Büro ist der Standort zwingend auf eine Anbindungsmöglichkeit zu untersuchen. Zusätzlich lohnt es sich, eine generelle Standortcheckliste bei eigenen Räumlichkeiten abzuarbeiten. Beim Managed Office ist die Trennung der eigenen IT von der Landlord-eigenen IT, also der des Gebäudebetreibers, sicherzustellen. Die Erfahrung zeigt, dass bei einem Standort- Checkup nach einer vorgängigen engeren Auswahl ein Besuch der IT-Verantwortlichen vor Ort viel Geld und Enttäuschungen sparen kann.
An diesen Begehungen sollten immer folgende Personen teilnehmen:

  • Projektleiter des Mutterhauses
  • vorgesehener Manager des neuen Standortes
  • IT-Person mit Security- und Facility-Know-how
  • Elektriker
  • Hauseigentümer/Verwalter
  • gegebenenfalls Architekt
Die Zeit tickt in anderen Ländern oft 'unschweizerischer'!

Ist der Standort gewählt, so ist eine Projektaufgabenliste zu erstellen. Dabei ist der Verkabelung und vor allem dem Internet- oder Direkt-IT-Anschluss hohe Beachtung zu schenken. Die Erfahrung hat zeigt, dass der lokale Provider vor Ort den kritischen Zeit Pfad bildet. Rechnen Sie dabei je nach Land einige Wochen dazu. Die vorgesehene IT-Infrastruktur sollte zwingend in der Schweiz beschafft, konfiguriert, getestet und dann verschifft werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass Material, welches dem Standard entspricht, vor Ort sein wird. Selbst bei einem einzigen Hersteller können die Hardware-Produkte wie beispielsweise PC oder Drucker mit gleicher Bezeichnung unterschiedliche Innereien enthalten. Das würde eine automatische Softwareverteilung erheblich behindern. Trotzdem ist zu beachten, dass möglichst alle verwendeten Hardware-Produkte am neuen Standort über eine Vertretung im Land verfügen. Das kann bei Garantiefällen und Reparaturen sehr hilfreich sein. Spezielle Geräte sind je nach Verfügbarkeitsstufe redundant vor Ort zu halten.

Technische Hürden

Ein nicht zu unterschätzender Faktor bei grossen Distanzen ist die Übertragungszeitdauer (Latency) im WAN. Im Labor oder im nahen Ausland ist das nicht zu spüren. Sobald der neue Standort einige tausend Kilometer entfernt ist, kommt der technische Spielverderber der Verzögerung dazu. Dabei spielt die Bandbreite eine untergeordnete Rolle. In China muss beispielsweise mit einer Verzögerung von bis zu 400 Millisekunden gerechnet werden. Das bedeutet, dass ein Datenpaket für den Weg von Shanghai bis in die Schweiz rund 200 ms benötigt und die Bestätigung für das Senden des nächsten Datenpaketes nochmals 200 ms Verzögerung mit sich bringt. So kann es bei einem Word-Dokument schnell mal mehrere Sekunden oder gar Minuten dauern, bis die Datei verfügbar ist. Ein WAN–Accelerator, also ein Beschleuniger, hilft in diesem Fall, die Paketgrösse zu erhöhen und somit die Anzahl der Datenpakete zu verringern. Sobald der grosse Zeitpunkt der Installation vor Ort gekommen ist, sollten Personen mit dem notwendigen Know-how den Aufbau durchziehen. Idealerweise wird ein Donnerstag oder Freitag für die Installation vorgesehen. Das Wochenende kann dann als Sicherheitspuffer verwendet werden. Gemeinsam mit den beschriebenen Schritten legt dies die Grundlage für einen erfolgreichen Betrieb der IT-Infrastruktur am Standort im Ausland.

Gastbeitrag: Markus Haas, Chief Operations Officer der CSF AG

www.csf.ch

zurück