BVG 21, VVG-Revision und warum man sich sonst noch um die berufliche Vorsorge kümmern sollte

Versicherungen wie die berufliche Vorsorge (BVG) gehören für viele verständlicherweise nicht zum Hauptfokus des Geschäftsalltags. Dabei gibt es ein paar gute Gründe, sich näher mit dem Thema zu befassen oder einen Experten zur Beratung hinzuzuziehen.


1. Die Kündigungsfrist endet am 30. Juni

Wer seine BVG-Versicherung wechseln möchte, hat nur noch bis zum 30. Juni Zeit dafür. Für die Pensionskasse gilt eine Kündigungsfrist von sechs Monaten auf Jahresende. Prüfen Sie jedoch, ob Sie an einen Mehrjahresvertrag gebunden sind und per wann dieser kündbar ist. Üblich sind Verträge mit einer Laufzeit von 3-5 Jahren. 

Übrigens: Das revidierte Versicherungs­vertrags­gesetz (VVG) macht Knebelverträgen ab 2022 ein Ende. Dann gilt nämlich, dass Versicherungen (mit Ausnahme der Lebensversicherung) nach einer drei­jährigen Laufzeit gekündigt werden können, auch wenn der Vertrag auf längere Zeit abge­schlossen wurde.

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2. Die Sache mit dem Umwandlungssatz

Auch wer sich nicht vertieft mit der BVG-Problematik befasst, wird zwangsläufig auf die Begriffe Umwandlungssatz und Umverteilung stossen. Diese sind die derzeit grössten Probleme der Pensionskassen. Doch nur wer sich auch darüber im Klaren ist, was das für die Leistung im Alter tatsächlich bedeutet, kann die richtige Entscheidung zur beruflichen Vorsorge fällen. 

Auslöser für das Problem sind eine alternde Gesellschaft, tiefe Zinsen und eine Renten­umverteilung von Erwerbstätigen zu Pensionierten. Die Folgen davon sind gedrosselte Leistungen für zukünftige Rentner, was sich auch im sinkenden Umwandlungssatz widerspiegelt. 

Doch das alleine ist nicht das Problem. Der Umwandlungssatz sagt wenig über die zukünftige Rente aus, denn diese hängt vom angesparten Kapital ab. Ein tiefes Kapital mit hohem Umwandlungssatz generiert unter Umständen eine tiefere Rente als ein grosses Kapital mit tiefem Umwandlungssatz. Um das Kapital zu erhöhen, müssen Unternehmen ihre Anlage­strategie deshalb überdenken. Höhere Prämien oder mehr Risikobereitschaft sind z.B. Strategien, die zu einer höheren Rendite führen.
 

3. Individuelle Angebote und Kaderlösungen

Pensionskassen bieten verschiedene Anlagestrategien. Für Angestellte mit Löhnen, die das Obligatorium übersteigen, gibt es Kaderlösungen, die individuell zusammen­gestellt werden können. Das ist besonders wichtig im Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeitende. 
 

4. Zeitgemässe Versicherungen sind digital

Besonders Versicherungen sollten sich dem digitalen Wandel nicht entziehen, denn die Bedürfnisse der Versicherten geben den Takt vor. Online, schnell und einfach müssen die administrativen Aufgaben zu erledigen sein. Pensionskassen, die Formulare noch auf Papier handhaben, gehen deshalb nicht mit der Zeit. Wenn Ihre Versicherung keine Online-Tools bzw. ein nutzerfreundliches Webportal anbietet, ist es eventuell Zeit, diese etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. 
 

5. Neuerungen ab 1. Januar 2022

Das Versicherungsvertragsgesetz (VVG) wurde revidiert. Sollten Sie Ihre BVG-Versicherung jetzt wechseln, tritt der neue Vertrag am 1. Januar 2022 in Kraft. Diese Änderungen werden Sie also betreffen:

  • Ordentliche Kündigung nach 3 Jahren möglich, auch bei längerdauernden Verträgen (Ausnahme: Lebens­ver­sicherungen)
  • Rücktrittsrecht von 14 Tagen ab Vertragsunterzeichnung
  • Kündigungserklärung per E-Mail möglich
     
6. Die “BVG 21” kommt

2022 könnten noch weitere Neuerungen auf uns zukommen. Die vom Bund ausgearbeitete Reform “BVG 21” sieht diese Anpassungen vor: 

  • Senkung des Umwandlungssatzes auf 6%
  • Einführung eines Rentenzuschlags, um Reduktion abzufedern
  • Senkung (Halbierung) des Koordina­tions­abzugs
  • Erhöhung der Beiträge an die Pensionskasse für 25-44 Jährige und Senkung für 45 Jährige und älter

Die Reform wurde ans Parlament übergeben, jedoch noch nicht behandelt. Sie soll noch dieses Jahr zur Abstimmung vor das Volk kommen.
 

Quellen: 

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