So wappnen Sie sich für die kommende Konkurswelle 

Gastbeitrag von Raoul Egeli, Creditreform

Die Schweizer Wirtschaft kämpft sich, pandemiebedingt, durch eine der schwersten Wirtschaftskrisen der jüngeren Geschichte. Ohne staatliche Hilfe gingen viele Lichter aus. Das hat eine Konkurswelle bislang verhindert. Bis diese eintritt, ist jedoch nur noch eine Frage der Zeit. Forderungsmanagerinnen und Liquiditätsmanager haben alle Hände voll zu tun. Wer die Grundregeln beachtet, wird ohne blaues Auge durch die Krise kommen. 

Liquiditätsplanung

Wann kommt die Konkurswelle?

Die von Creditreform ermittelten Zahlen zur Konkursentwicklung in der Schweizer Wirtschaft zeigen für die ersten beiden Monate des Jahres einen Rückgang um nahezu einen Viertel. Die Monate Januar und Februar des Vorjahres hatten noch eine insgesamt erfreuliche wirtschaftliche Entwicklung gespiegelt. Dann kam Corona und löste durch den Lockdown die staatlichen Stützungsmassnahmen wie Notkredite und Härtefallregelungen aus. Diese Regelungen gelten bis heute, wobei niemand mit Sicherheit sagen kann, ob sie tatsächlich, wie angekündigt, im Sommer auslaufen und eine Rückkehr zur wirtschaftlichen Normalität möglich ist. Vorläufig hat Corona das Wort. Es ist davon auszugehen, dass die starken Rückgänge der Konkurse darauf zurückzuführen sind, dass für so manche konkursgefährdete Firma die staatlichen Hilfen die Rettungsinsel sind, die sie durch den Corona-Sturm trägt. Für viele dieser konkursreifen Betriebe dürfte das Ende damit nur aufgeschoben sein. Die Konkurswelle wird kommen. Die stark rückläufige Zahl der Konkurse lässt befürchten, dass es Hunderte, wenn nicht Tausende Firmen sein könnten. Wichtiger ist aber, wie es weitergeht. Wann darf wieder geöffnet werden, damit die Unternehmen wieder ordentliche Erlöse erzielen können? Denn wir alle wissen, dass die Überbrückungskredite wieder zurückbezahlt werden müssen und die Staatsverschuldung nur durch zusätzliche Einnahmen wieder abgebaut werden kann. Für viele Firmen stellt dieser Zustand eine grosse Herausforderung dar. 
 

Forderungsmanagement gefragter denn je

Forderungsmanagerinnen und Liquiditätsmanager sind in diesen Zeiten besonders gefragt. Im Forderungsmanagement geht es darum, ein Gleichgewicht zwischen der Sicherung der Liquidität – sprich, einem konsequenten Forderungseinzug – und der Gewährung angemessener Zahlungskonditionen zu wahren. Wenn die Verkaufsabteilung lamentiert, man werde zum Umsatzverhinderer, während die Debitorenabteilung anmahnt, die Zahlungsrückstände müssten dringend reduziert werden, kann davon ausgegangen werden, die goldene Mitte gefunden zu haben. 
 

Mit straffem Mahnwesen gegen die Konkurswelle

Mit der kommenden Konkurswelle im Nacken gilt es nun, diese goldenen Regeln des Forderungsmanagements noch strikter zu beachten. Haben Sie die Bonität aller Kunden permanent im Blick? Weisen Sie eine entsprechende Kreditlimite zu und prüfen die Bonität vor jedem Vertragsabschluss? Wenn es das Geschäft zulässt, stellen Sie sicher, dass Sie über eine Schuldanerkennung verfügen. Mängelrügen sind schnell aus der Welt zu schaffen. Ihre Kunden können so nicht auf Zeit spielen und die Zahlung hinauszögern. Dann heisst es, schnell zu fakturieren und ein straffes Mahnwesen zu pflegen. 
 

94% der Gläubiger gehen im Konkursverfahren leer aus

Mit diesen Massnahmen verhindern Sie das Schlimmste, nämlich das Konkursverfahren. Denn dann sind die Chancen, noch an das Geld zu kommen, minimal. In durchschnittlich 94 Prozent der Fälle geht der Gläubiger leer aus. Und sollten Sie das Konkursbegehren gestellt haben, ist der zu leistende Kostenvorschuss ebenfalls verloren. 
 

Liquiditätsmanagement bewahrt vor Notsituationen

Der Geschäftsleitung und dem Liquiditätsmanagement obliegt es, die grundsätzlichen Handlungsspielräume einzuschätzen. Wie gross sind die Reserven, und wie viel Risiko kann damit eingegangen werden? Ist das Unternehmen von Branchen abhängig, die besonders von Corona betroffen sind? Entsprechende strategische Grundsatzentscheide stellen die Weichen, um das Unternehmen sicher durch unruhige Gewässer zu steuern. Die Forderungsmanager sorgen dafür, dass die Firma vor Forderungsausfällen geschützt ist, die gerade in diesen Zeiten, auch für das eigene Unternehmen existenzielle Auswirkungen haben können. Zudem sind vorteilhafte Zahlungskonditionen auszuhandeln, indem sie sich zugleich an die Zahlungsfristen halten. Das Liquiditätsmanagement schafft das ausreichende finanzielle Polster, um notfalls darauf zurückgreifen zu können. Denn auch hier gilt: «Spare in der Zeit, dann hast du in der Not». 
 

Raul Egeli

Raoul Egeli, Präsident Creditreform

Schweiz. Verband Creditreform
Teufener Strasse 36
9000 St.Gallen
Tel: +41 71 221 11 80
[email protected]
www.creditreform.ch

Raoul Egeli ist seit 2008 Präsident des Schweizerischen Verbands Creditreform und seit 2014 Präsident von Creditreform International sowie Mitglied der Gewerbekammer des SGV. Zudem ist er Geschäftsführer der Creditreform Egeli Gesellschaften in Basel, Bern, St. Gallen und Zürich. Seit 2019 ist er Mitglied im Vorstand des Inkassoverbandes vsi und war von 2009 bis 2013 Zentralpräsident von TREUHAND|SUISSE. Raoul Egeli ist Autor mehrerer Fachbücher rund um das Thema Kredit und Forderungsmanagement.

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