KMU in der Krise: Ein Drittel aller Härtefallgesuche wurde bereits abgelehnt

Vor einem Jahr ging die Schweiz zum ersten Mal in den Lockdown. Unsere Umfrage bei KMU zeigte, wie die Unternehmen unter den Massnahmen litten und welche Erwartungen sie an die Zukunft hatten. Ein Jahr später haben sich manche Befürchtungen bestätigt, andere jedoch nicht. Wir zeigen Ihnen, wie es KMU aktuell geht. 
 

Viele KMU fallen beim Härtefallprogramm durchs Raster

Nur etwa ein Drittel aller KMU stellt ein Gesuch um Härtefallunterstützung bei Bund und Kanton. Davon wiederum wurde bereits ein Drittel abgelehnt und ein weiteres wartet noch auf einen Entscheid. Die Gründe für eine Gesuchsablehnung sind vielfältig. Häufig sind jedoch ein zu geringer Umsatz bzw. ein zu geringer Lohn Schuld für die Ablehnung. Auch Firmengründungen nach dem 1. März 2020 oder zu hohe Eigenmittel begründen einen negativen Entscheid. Die Unzufriedenheit mit der Gesuchsabwicklung um das Härtefallprogramm überwiegt jedenfalls deutlich. Die Mittel fliessen, wenn überhaupt, zu langsam und die Gesuchsstellung ist ein aufwendiger Prozess, der laut Aussagen der Umfrageteilnehmer keine administrativen Fehler verzeiht. 

Umfrageergebnisse Härtefallprogramm


Zur Medienmitteilung und der ausführlichen Umfrageauswertung >


Einstellungsstopp dauert an

Der erste Corona-Schreck führte vor einem Jahr bei vielen Unternehmen zu einem Einstellungsstopp, das war in der unsicheren Lage auch kaum anders zu erwarten. Im März 2021 zeigt sich, dass rund die Hälfte der KMU einen Einstellungstopp einführte und diesen mehrheitlich auch über mehrere Monate durchzog. Die Mehrheit der KMU führte einen Einstellungsstopp von insgesamt 6-12 Monaten ein, das heisst auch, dass dieser Einstellungsstopp in einigen Fällen noch immer anhält. 


Mehr Entlassungen als befürchtet
Bei unserer Umfrage im März 2020 berichteten rund 14%, bereits Mitarbeitende entlassen zu haben oder dies geplant zu haben. Ein Jahr später bestätigt sich die Befürchtung und es kommt sogar noch schlimmer. Jedes fünfte Unternehmen musste tatsächlich Mitarbeiter entlassen. Immerhin 29% der Umfrageteilnehmer berichten jedoch, neue Mitarbeitende eingestellt zu haben. Es gibt somit nicht nur Verlierer in der Coronakrise, sondern auch Gewinner. 
Umfrageergebnisse Entlassungen
 
Gewinner und Verlierer in der Coronakrise

Die Gewinner machen ca. einen Fünftel aller KMU aus. Diese konnten ihren Umsatz steigern und das um bis zu 25% oder mehr. Beim Rest der teilnehmenden KMU sieht es weniger rosig aus. Die Mehrheit der KMU verzeichnet einen deutlichen Umsatzrückgang. Bei 26% der KMU macht der Umsatzverlust sogar über 50% aus. 


KMU setzen ihr Vertrauen ins Home Office

Das Home Office ist für viele der neue Alltag. Das zeigt sich auch in den Umfrageergebnissen, wonach die Hälfte der Befragten ihre Mitarbeitenden im Coronajahr 2020/2021 schon über 6 Monate von zuhause aus arbeiten lässt. Die meisten KMU haben die Situation gut gemeistert und vertrauen offenbar ins Home Office. Rund 69% der KMU schätzen die Produktivität ihrer Angestellten im Home Office als gleichwertig oder sogar besser ein als im Büro vor Ort. Dennoch gibt es auch die gegenteilige Meinung: 18% der Befragten sind der Ansicht, dass die Produktivität im Home Office leidet. 


Gemischte Zukunftsperspektive für 2021

Je nachdem ob ein KMU zu den Gewinnnern oder Verlierern der Krise gehört, fallen auch die Zukunftsperspektiven unterschiedlich aus. Während viele KMU von Konkursängsten oder der Angst vor weiteren Umsatzeinbussen geplagt werden, gibt es auch optimistische Stimmen, die entweder bereits jetzt zu den Gewinnern der Krise gehören oder aber den Lockdown im zweiten Halbjahr 2021 beendet sehen und auf einen Aufschwung hoffen. 

Fest steht, dass sich die Schweizer KMU-Landschaft noch längst nicht erholt hat. Die Auswirkungen der grossen Umsatzrückgänge werden viele KMU noch einige Zeit begleiten. Auch der Arbeitsmarkt muss sich von den langen Einstellungsstopps erholen. Dies dürfte noch einige Zeit in Anspruch nehmen, wenn man bedenkt, dass erst ein knappes Drittel der befragten KMU unter ihren Angestellten Infektionen mit dem Coronavirus verzeichnet haben. 
 

Eckdaten der Umfrage

Die Umfrage wurde im Zeitraum vom 4. März bis zum 11. März 2021 durchgeführt. An der Umfrage haben 150 KMU online teilgenommen. Mit fast 85% sind vor allem Kleinbetriebe mit 1-10 Mitarbeitern vertreten, dies entspricht in etwa der Schweizer KMU-Landschaft. 


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