Wie genügend Liquidität im Unternehmen sichern? Antworten des Treuhand-Experten

Interview mit Christoph Brunner, Fachbereichsleiter Treuhand / Unternehmensberatung OBT AG

Der Bund unterstützt zwar KMU für die Überbrückung von Corona-bedingten Liquiditätsengpässen mit Covid-19-Krediten. Doch nicht für alle kommen solche Kredite infrage. Treuhand-Experte Christoph Brunner erklärt, wie man aktuell die Liquidität im Unternehmen verbessern kann.

Gryps: Unsere kürzlich durchgeführte Umfrage hat gezeigt, dass gerade Kleinunternehmen keinen Covid-19-Kredit aufnehmen möchten, da sie sich nicht verschulden möchten. Was raten Sie?
CB: Einen Covid-19-Kredit sollte nur beantragen, wer die Bedingungen kennt und diese auch einhalten kann. Jedes KMU sollte sich vorher überlegen, ob ein solcher Kredit auch wirklich notwendig ist, um sich als Unternehmen über Wasser halten zu können. Man darf auch nicht vergessen, dass der Bund fünf Jahre Zeit gibt, diese Nullzins-Kredite zurückzuzahlen. Das gibt für viele genügend Zeit, nach Lösungen zu suchen, um den Kredit zurückzuzahlen.
 

Gryps: Mit welchen Massnahmen kann ein KMU seine Liquidität sonst noch verbessern?
CB: Liquiditätssicherung fängt im Unternehmen selbst an, und zwar bei der Bewirtschaftung des Umlaufvermögens. So sollte man erbrachte Leistungen möglichst schnell abrechnen. Meine Erfahrung ist, dass KMU damit viel zu lange warten. In der aktuellen Situation ist es besonders wichtig, die Debitorenbewirtschaftung im Auge zu behalten. Dabei sollte man unbedingt das Gespräch mit seinen Geschäftspartnern und Kunden suchen. Statt säumigen Zahlern stur Mahnungen zu verschicken, ist es besser, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. So können zum Beispiel Teilzahlungen vereinbart werden. Wer flexibel bleibt, kann seine Liquidität schnell verbessern und auch die Beziehungen zu seinen Partnern stärken. Die Situation ist ja für alle schwierig. Individuelle Lösungen sind derzeit sehr wichtig, weil Eins-zu-eins-Abmachungen verbindlicher sind.
 

Gryps: Was gibt es beim Kreditorenmanagement zu beachten?
CB: Auch hier unbedingt das Gespräch mit seinen Geschäftspartnern suchen. Man kann mit Lieferanten zur Verbesserung der eigenen Liquidität neue Zahlungskonditionen wie Teilzahlungen und Stundungen aushandeln. Das gibt mehr Luft. 
 

Gryps: Fixkosten sind auch ein grosses Thema. Gibt es hier überhaupt Möglichkeiten in Bezug auf die Liquidität?
CB: Aktuell ist die Kurzarbeitsentschädigung sicherlich das dominierende Instrument. Zusätzlich kann mit dem Vermieter das Gespräch für einen Mieterlass oder eine Mietstundungen gesucht werden. Sonst gibt es bei fixen Betriebskosten in der Regel nicht sehr viel Spielraum. Dennoch sollte jedes Unternehmen individuell schauen, ob es punktuell doch Möglichkeiten gibt. 


Gryps: Wie sieht es mit gebundenen Mitteln aus? 
CB: Auch da gibt es einen gewissen Spielraum. Unternehmen sollten ihre Mittelbindungskosten wie Warenbestände und Lagerkosten prüfen und schauen, dass diese auf das Minimum gebracht werden. Unnötig gebundenes Kapital wirkt sich negativ auf die Liquidität aus.


Gryps: Ein grosser Geldabfluss sind Investitionen. Sollen Unternehmen nun ganz in Bezug auf verbesserte Liquidität darauf verzichten?
CB: Hier muss sich jedes Unternehmen fragen, was wirklich notwendig ist. Was kann man sich leisten? Was kann man verschieben oder gar stoppen? Oder macht es Sinn, gerade jetzt zu investieren? So sorgt die Coronakrise für einen höheren Digitalisierungsgrad. Für bestimmte Unternehmen kann das genau der richtige Zeitpunkt sein, um hier zu investieren. Aber die Liquidität muss in der aktuellen Situation immer Priorität haben.

Gryps: Was gibt es sonst noch zu beachten?
CB: Liquidität ist aktuell wichtiger als Rendite. Deshalb sollte man auch mit Skonti arbeiten. Der Geldfluss muss schneller fliessen als normal. Bei Produktions-, Herstellungs- und Vertriebsketten zum Beispiel Akontozahlungen oder kürzere Zahlungsfristen vereinbaren, ist jetzt sehr wichtig. In Stresssituationen sollte man sich zudem einen Überblick verschaffen und nicht in blinden Aktionismus verfallen, sondern ganzheitliche Lösungen suchen. Wenn ein Unternehmen z.B. bei seinem Vermieter Stundung des Mietzinses beantragt, macht es auch Sinn, aufzeigen, dass man auch sonst Massnahmen zur Verbesserung der Liquidität umgesetzt hat.


Gryps: Die Coronakrise wird uns noch für einige Zeit begleiten. Was ist für die Zukunftsplanung von KMU besonders wichtig?
CB: Tragbarkeit ist für Unternehmen sehr wichtig und Planung bekommt einen noch grösseren Stellenwert. Deshalb sollten KMU Liquiditätspläne erstellen und ihr Augenmerk auf die Finanzplanung legen. Es geht darum, Schwierigkeiten und Probleme mit einer genügend langen Vorlaufzeit zu erkennen, damit rechtzeitig entsprechende Massnahmen getroffen werden können. Vorausplanung ist in der aktuellen Situation zentral. 

 

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