Nehmen Konkurse bald zu? 

Konkurse werden laut einer Prognose der ETH zunehmen, sobald die Unterstützungsleistungen des Bundes für Unternehmen wegfallen. Wie kann eine Betreibung eingeleitet oder verhindert werden? Und was ist die Alternative zu Betreibungen? Die Antworten im Blog.

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Konkurs


Ausserordentliches Konkursrecht nicht verlängert – Was sind die Folgen?

Die ausserordentlich festgelegten Massnahmen des Bundes zur Vermeidung von coronabedingter Insolvenz wurden nach ihrem Auslaufen am 19. Oktober 2020 nicht verlängert.* Mit der Covid-19-Verordnung Insolvenzrecht vom 16. April 2020 hatte der Bundesrat die Pflicht der Unternehmen zur Überschuldungsanzeige vorübergehend ausgesetzt.

Laut einer Prognose der ETH wird der Wegfall dieser Schutzmassnahmen und zukünftig weiterer Unterstützungsleistungen durch den Bund viele Konkurse nach sich ziehen. Das bedeutet, dass Kapitalgesellschaften bei der Anmeldung des Konkurses nach dem Verteilen der Konkursmasse die übrig gebliebenen Schulden nicht mehr bezahlen müssen. Dies stellt für Gläubiger dieser Unternehmen ein Problem dar, denn diese können ihre Forderungen gegenüber den Kapitalgesellschaften unter Umständen nur zum Teil oder auch gar nicht mehr geltend machen.

Personengesellschaften (Einzel- & Kollektivunternehmen) haben in Bezug auf Konkurse das Nachsehen: Wenn die Konkursmasse der Personengesellschaft nicht für die Tilgung aller Schulden ausreicht, dann haften Unternehmer mit ihrem persönlichen Vermögen für alle weiteren Forderungen.


Wie leiten Sie selber eine Betreibung ein?

Das Betreibungsbegehren wird im Betreibungsamt am Wohnsitz des Schuldners – oder bei Kapitalgesellschaften am Sitz der Firma – eingereicht. Für ein Betreibungsbegehren benötigen Sie diese Informationen:

  • Vollständiger Name und Adresse des Gläubigers
  • Vollständiger Name und Adresse des Schuldners (wenn der Wohnsitz des Schuldners nicht bekannt ist, dann stellt das Betreibungsamt einen Zahlungsbefehl durch Veröffentlichung in den Amtsblättern zu)
  • Genauer Betrag der geschuldeten Summe in Schweizer Franken
  • Forderungsurkunde (Vertrag, Rechnung etc.) oder Grund der Forderung
  • Bank- oder Postverbindung für die Zahlungseingänge

Für den Gläubiger entstehen für das Betreibungsbegehren Kosten, die bei einer erfolgreichen Betreibung in die Schuldenmasse mit eingerechnet wird (Übersicht des Bundes zu den Gebühren für die Einleitung einer Betreibung). Wenn der Schuldner einen Rechtsvorschlag erhebt, dann muss der Gläubiger die Existenz der Schulden beweisen, um das Verfahren mithilfe einer Rechtsöffnung fortzusetzen.


Gibt es eine Alternative zur Betreibung?

Wenn Sie häufig Forderungen an Schuldner stellen, dann lohnt sich die Evaluation eines Mahnwesens für Ihr Unternehmen. Es gibt grundsätzlich zwei Varianten, die auch miteinander kombiniert werden können:

  • Internes Mahnwesen: Sie können Mitarbeiter anstellen, die die Mahnungen bei Zahlungsverzug erstellen und versenden.
  • Mahnwesen auslagern: Sie können externe Dienstleister (z.B. Treuhänder und Inkassounternehmen) beanspruchen, die auf Mahnprozesse spezialisiert sind und das Mahnwesen oder Teile davon für Sie übernehmen. Auch Betreibungen werden von einigen Anbietern für Sie durchgeführt, sollte das Mahnwesen nicht den gewünschten Effekt erzielen. Dienstleister sind i.d.R. kostengünstiger als ein internes Mahnwesen, da die gesamte Unternehmensstruktur auf die effiziente Bearbeitung von Mahnprozessen ausgelegt ist.

Durch das Mahnwesen entfallen viele Betreibungen, die zeitlich und finanziell anspruchsvoll sind. Sie können so auch Ihre Kunden länger halten:

  • Das Mahnwesen ist in der Schweiz nicht rechtlich geregelt. Wenn ein Unternehmen sich dennoch für ein Mahnwesen anstelle von unverzüglichen Betreibungen entscheidet, dann führt dies zu erhöhter Kundenzufriedenheit. Die Kunden bleiben Ihnen länger erhalten.
  • Durch Mahnungen können Sie einen Grossteil Ihrer Schuldner ohne Betreibung zur Zahlung bewegen.
  • Die Gebühren, die Sie für Betreibungen vorschiessen müssen, fallen zu einem grossen Teil weg.
  • Die Rechtsöffnungen inkl. aufwändigen Beweisführungen bleiben dem Gläubiger durch das Verhindern von Betreibungen erspart.
  • Nicht erfolgreiche Betreibungsverfahren und entsprechende Abschreibungen aufgrund von Mangel an Beweisen bei der Rechtsöffnung fallen weg.

Wie wehren Sie eine Betreibung ab? – Rechtsvorschlag

In der Schweiz kann theoretisch jeder eine Betreibung erhalten, ohne dass ein Rechtsverhältnis bestanden hat. Wenn Sie eine Betreibung anfechten möchten, weil die Forderung nicht rechtens ist, können Sie Rechtsvorschlag erheben.

Zuerst erhalten Sie einen Zahlungsbefehl vom vermeintlichen Gläubiger. Den Rechtsvorschlag können Sie anschliessend direkt beim Zusteller des Zahlungsbefehles erheben. Dazu kreuzen Sie auf dem Zahlungsbefehl das Feld “Rechtsvorschlag gesamte Forderung” oder “Teilrechtsvorschlag” an. Andernfalls haben Sie die Möglichkeit, innert 10 Tagen ab der Zustellung des Zahlungsbefehls Rechtsvorschlag gegenüber dem Betreibungsamt zu erklären (Art. 74 SchKG).

Sobald Sie dies getan haben, muss die betreibende Partei die Existenz der Schuld beweisen und eine Rechtsöffnung beantragen. In diesem Moment liegt der Ball wieder beim Gläubiger bzw. beim Betreibenden. Er muss nun die Schuld anhand eines schriftlichen Vertrags, eines Schuldscheins oder ähnlichen Belegen beweisen können. Falls Sie eine Forderung bezahlt haben, obwohl sie nicht berechtigt war, können Sie eine Rückforderungsklage erheben. 
 

*Für Reisebüros gilt der Rechtsstillstand bis Ende 2020.
 

Quellen und weiterführende Links

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