«Debitorenverluste lassen sich weitgehend vermeiden.»

Interviewbeitrag der Creditreform AG

Debitorenverluste sind mit die ärgerlichsten Abschreiber im Geschäftsleben. Sie lassen sich weitgehend vermeiden, wie Raoul Egeli, Präsident des Verbandes Creditreform, im Interview erläutert. Zentral ist dabei die zuverlässige Einschätzung der Bonität der Kundschaft. 

Liquidität

Herr Egeli, mit gewissen Verlusten muss man rechnen im Leben, heisst es. Gilt das auch fürs Geschäftsleben?
Raoul Egeli: Ja sicher. Niemand ist davor gefeit. Am ärgerlichsten sind sicher die nicht bezahlten Rechnungen, die einfach zu vermeiden sind. Diese Verluste tun besonders weh.

Warum?
Im Nachhinein ist man natürlich immer klüger. Aber wenn man eine Leistung erbracht hat, und dann erhält man den verdienten Lohn dafür nicht und muss stattdessen einen Totalabschreiber hinnehmen, dann kommt über kurz oder lang die Frage auf, ob beziehungsweise was man denn falsch gemacht hat. 

Ihre Antwort?
Es ist eine harte Erkenntnis: Man hat auf das Prinzip Hoffnung gesetzt, statt die gebührende Vorsicht walten zu lassen. Oft gibt es bereits frühzeitig Anzeichen, dass ein langjähriger Kunde Zahlungsschwierigkeiten haben könnte, die man beiseite gewischt hat, weil man sich ja schon so lange kennt und die Kundenbonität nicht überwacht. Oder man hat bei einem neuen Kunden mit der Aussicht auf eine interessante Geschäftsbeziehungen grosszügig Lieferung auf Rechnung vereinbart, ohne die Kreditwürdigkeit vor Vertragsabschluss zu prüfen. Und diese Verluste schmerzen auch deshalb, weil sie sehr direkt den Gewinn schmälern. Bei einer Marge von fünf Prozent ist bei einem Verlust von 5'000 Franken auch der Gewinn von 100'000 Franken Umsatz verloren. 

Kommt das häufig vor?
Weit häufiger, als man vielleicht denken mag. Diese Debitorenverluste gehen in der Schweizer Wirtschaft jährlich in die Milliarden. In einem gewissen Ausmass sind sie unvermeidlich. Aber es gibt effiziente Mittel und Wege, sie auf ein Minimum zu reduzieren. 

Kenne deinen Kunden, lautet eine Grundregel…
Richtig. Die Regel kommt ja aus der Finanzwelt, und wer auf Rechnung liefert, weiss, dass es mehr braucht als Vertrauen und Menschenkenntnis. Keine Bank wird Ihnen einen Kredit ohne Nachweis ihrer finanziellen Möglichkeiten und Sicherheiten gewähren. Man darf nie vergessen, dass jede Rechnung immer einen Kredit darstellt. Wir sprechen von Lieferantenkrediten. Und deshalb gilt eine ähnliche Sorgfaltspficht. 

Das erscheint nicht praktikabel.
Ist es auch nicht. Sie können nicht von jedem Kunden solche Garantien verlangen. Aber Sie können in Ihrem Unternehmen sehr vieles tun, um solche Verluste zu vermeiden. Das kann bedeuten, die internen Abläufe vom ersten Verkaufsgespräch bis zum Forderungseinzug zu überdenken. Debitorenverluste entstehen letztlich schon bei der Akquisition, vor allem, wenn der Bonität des Kunden zuwenig Beachtung geschenkt wird. Liquiditätsmanagement beginnt deshalb bei einer seriösen Einschätzung der Bonität vor Vertragsabchluss sowie bei den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Der Vertrag lässt sich so formulieren, dass ein etwaiger Rechtsvorschlag im Betreibungsverfahren durch die Unterschrift des Kunden chancenlos ist, weil eine rechtsgültige Schuldanerkennung durch die Vertragsunterzeichnung bereits vorliegt. Geregelt werden sollten daneben in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen auch Zahlungs- und Mahnfristen sowie Mahngebühren und Verzugszinsen. Das wird die Durchsetzung der Forderung erheblich erleichtern. Intern müssen auch die Zuständigkeiten geklärt sein. Es geht dabei primär um die Optimierung der internen Ressourcen. Unternehmensintern kann es zu Interessenskonflikten kommen. Die Verkaufsabteilung drängt auf einen Geschäftsabschluss, die Finanzabteilung bremst, weil sie an der Bonität zweifelt. Den Kredit- und Debitorenmanagern obliegt es, hier die Vermittlerrolle einzunehmen – im Interesse des Unternehmens. 

Was tut Creditreform, um bei der Bonitätsabklärung zu helfen?
Creditreform ist eine genossenschaftlich organisierte Gläubigerorganisation, die sich dem Zweck verschrieben hat, Debitorenverluste zu vermeiden. Es geht um Schutz von Gläubigerinnen und Gläubigern. Zu diesem Zweck bündelt Creditreform bonitätsrelevante Informationen, die unter anderem auch von den Mitgliedern stammen. Dazu kommen, vom Handelsregistereintrag über Betreibungsauskünfte bis zur Medienauswertung, öffentlich zugängliche Daten und Informationen. Aus all diesen Daten lässt sich systemgestützt die Bonität von Personen und Firmen zuverlässig und schnell ermitteln. Diese Einschätzung, in der Praxis in Form einer Ampel, die je nach Bonitätseinschätzung auf Rot, Gelb oder Grün gestellt ist, ist im Online- und Offlinegeschäft eine unserer wichtigen Dienstleistungen. Des weitern bieten wir auch individuelle Beurteilungen zur Prüfung grosser Geschäftsvolumen. Dazu kommt das Inkasso im Kundenauftrag, von der Rechnungsstellung bis zur Realisierung einer Forderung. Als Mitglied des 23 Ländergesellschaften umfassenden Verbandes Creditreform International und weiterer Partnerorganisationen bietet Creditreform Schweiz diese Dienstleistung auch für Bonitätsauskünfte aus der ganzen Welt an. 
 

Raul Egeli

Raoul Egeli, Präsident Creditreform

Schweiz. Verband Creditreform (Genossenschaft)
Teufener Strasse 36
9000 St.Gallen
Tel: +41 71 221 11 80
info@creditreform.ch
www.creditreform.ch

Raoul Egeli, geboren 1968, ist seit 2008 Präsident des Schweizerischen Verband Creditreform Verbandes Creditreform und seit 2014 Präsident von Creditreform International. Zudem ist er Geschäftsführer der Creditreform Egeli Gesellschaften in Basel, St. Gallen und Zürich. 2009 bis 2013 war er auch Zentralpräsident von TREUHAND| SUISSE. Raoul Egeli studierte an der Fachhochschule für Wirtschaft in St. Gallen und ist Autor mehrerer Fachbücher.

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