Einzelfirma gründen Schweiz

Die Gründung einer Einzelfirma erfolgt unkompliziert und ohne viel Aufwand, da diese Rechtsform über keine eigene Rechtspersönlichkeit verfügt. Trotzdem gibt es einige Stolperfallen, wodurch viele Fehler bei der Gründung entstehen können. Möchten Sie eine Einzelfirma gründen? Wir zeigen Ihnen, worauf Sie achten müssen.


Einzelfirma gründen – Checkliste

Die nachfolgende Checkliste hilft Ihnen bei der Gründung einer Einzelfirma:

  1. Firmennamen bestimmen: Der Familienname des Inhabers oder der Inhaberin muss im Firmennamen enthalten sein und beim kantonalen Handelsregisteramt abgeklärt werden. 
  2. Eintrag ins Handelsregister: Der Eintrag ins Handelsregister ist erst ab einem Jahresumsatz von 100’000 CHF obligatorisch. Es lohnt sich aber, eine Einzelfirma bereits vorher eintragen zu lassen.
  3. Mehrwertsteuerpflicht abklären: Die Einzelfirma ist dann mehrwertsteuerpflichtig, wenn der voraussichtliche Umsatz 100’000 CHF übersteigt.
  4. Anmeldung bei der AHV: Die AHV-Ausgleichskasse überprüft nach Ihrer Anmeldung, ob es sich bei Ihrer Tätigkeit tatsächlich um eine berufliche Selbständigkeit handelt.
  5. Obligatorische Versicherungen abschliessen: Zu beachten ist hier, dass es nebst der Versicherungen, die für alle obligatorisch sind, auch solche gibt, die je nach Branche entweder obligatorisch oder freiwillig sind.


Vor- und Nachteile einer Einzelfirma in der Schweiz

Entscheiden Sie sich für eine Einzelfirma, haben Sie ein Maximum an Freiheiten –  Sie tragen aber gleichzeitig eine grössere finanzielle Verantwortung. Hierzu haben wir Vor- und Nachteile aufgelistet:

Vorteile:

  • Unternehmerische Tätigkeit kann sofort aufgenommen werden
  • Unternehmerische Freiheit
  • Bezug aus der 2. oder 3. Säule möglich
  • Kein Mindestkapital vorgeschrieben
  • Keine steuerliche Doppelbelastung
  • Keine Formalitäten nötig für die Gründung (ausser Handelsregistereintrag, sofern der Jahresumsatz 100’000 CHF übersteigt)
  • Problemlose Liquidation
  • Eintrag ins Handelsregister und in die Buchführung sind erst ab 100’000 CHF gesetzlich vorgeschrieben
  • Einfache Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft
  • Wenig Gebühren (meist nur für Eintrag ins Handelsregister)
  • Kein hoher Verwaltungsaufwand wie bei einer AG oder GmbH

Nachteile:

  • Inhabende haften mit dem gesamten Privat- und Geschäftsvermögen
  • Geschäftsname ist nicht frei wählbar
  • Bilanzierungsvorschriften für im Handelsregister eingetragene Einzelfirmen – diese sind jedoch weniger streng als bei einer AG oder GmbH
  • Keine getrennte Besteuerung von Geschäftseinkommen, Privateinkommen und Vermögen
  • Grosse finanzielle Verantwortung aufgrund der uneingeschränkten Haftung
  • Keine Arbeitslosenversicherung (ALV) möglich
  • Keine Beteiligung Dritter möglich


Einzelfirma gründen – Kosten

Für die Gründung einer Einzelfirma wird, anders als bei einer GmbH oder AG, kein Mindestkapital vorausgesetzt. Die Kosten für die Administration einer Einzelfirma liegen im Schnitt zwischen 700 CHF und 1’000 CHF. Kosten entstehen unter anderem auch in diesen Bereichen:

  • Treuhänder
  • Handelsregistereintrag (ab einem Umsatz von 100’000 CHF)
  • Produktentwicklung
  • Produktion (technische Anlagen, Geräte etc.)
  • Marketing
  • Geschäftsausstattungen
  • Warenlager

Um Ihre Kosten im Blick zu behalten, eignet sich ein Businessplan. Die Gründung kann auch von einem Gründungsservice übernommen werden. Beachten Sie hierzu unsere Gründer-Specials. Ein solcher Gründungsservice kann unter Umständen nochmals zusätzliche Kosten von ca. 1’000 CHF beinhalten.


Handelsregistereintrag für Einzelfirma

Der Eintrag ins Handelsregister ist für Inhaberinnen und Inhaber zwingend notwendig, sobald ihre Einzelfirma einen Umsatz von mehr als 100’000 CHF erzielt. Ein Handelsregistereintrag empfiehlt sich aber schon vorher, da er mehrere Vorteile mit sich bringt, u.a.:

  • Vertrauen und Seriosität: Mit dem Eintrag schaffen Sie Vertrauen und zeugen von Seriosität, da Sie Informationen zu Ihrem Unternehmen für jedermann zugänglich machen. Ebenfalls zeugt ein Eintrag von einer gewissen Solidität. Ist Ihre Firma nicht im Handelsregister eingetragen, kann es deshalb vorkommen, dass Geschäftspartnerinnen oder Geschäftspartner für ihre Lieferungen eine Vorkasse verlangen.
  • Schutz des Firmennamen und Markenschutz: Ihr Firmenname kann im Handelsregister geschützt werden und der Eintrag bietet einen gewissen Markenschutz.
  • Vertragsabschluss über Ihrer Firma: Verträge können im Namen Ihres Unternehmens abgeschlossen werden und es können weitere Zeichnungsberechtigte hinzugezogen werden. Ohne Eintrag laufen Verträge gewöhnlich nur über die Privatperson, d.h. über den Inhaber oder die Inhaberin.
  • UID Nummer: Mit dem Eintrag ins Handelsregister wird Ihrer Firma automatisch eine UID Nummer erteilt. Ist Ihre Firma international tätig und importiert oder exportiert Waren aus bzw. ins Ausland, wird eine solche UID Nummer oft von den Handelsplattformen, Lieferantinnen oder Lieferanten verlangt.
  • Korrekte Abrechnung der AHV und Steuern: Mit einem Handelsregistereintrag wird Ihre Firma automatisch erfasst, wodurch eine korrekte Abrechnung der AHV und Steuern gewährleistet wird. Dadurch entstehen Ihnen keine mühsamen Nachzahlungen. Hingegen bedeutet kein Handelsregistereintrag mehr Aufwand, da Sie sich selber bei der AHV und dem Steueramt melden müssen, um Ihre Firma zu erfassen.

Der freiwillige Eintrag ins Handelsregister kann aber auch Nachteile mit sich bringen. Dazu gehören die Kosten des Handelsregistereintrags sowie die Betreibung auf Konkurs. Der Zweck des Unternehmens muss bei der Gründung ebenfalls definiert werden, was wiederum zu einem längeren Entscheidungsprozess führen kann.


Obligatorische Versicherungen für Einzelfirmen

Bei einer Einzelfirma sind generell weniger Sozialleistungen zu zahlen. Obligatorisch für die Inhabenden sind meistens nur die AHV / IV / EO sowie die Familienausgleichskasse. Die Pensionskasse, der Berufsunfall und Nichtberufsunfall sind freiwillig. Eine Arbeitslosenversicherung ist bei Selbständigerwerbenden nicht möglich. Je nach Branche gibt es nebst der AHV / IV / EO und der Familienausgleichskasse noch zusätzliche obligatorische Versicherungen. Beispielsweise ist die Berufshaftpflichtversicherung für Ärzte oder Anwälte gesetzlich vorgeschrieben.

Für Mitarbeitenden von Einzelfirmen sind der Berufsunfall und je nachdem auch der Nichtberufsunfall (ab 8 Stunden pro Woche) sowie das BVG (ab einem Jahreslohn von 21’510 CHF) obligatorisch.


Einzelfirma Steuern

Inhabende einer Einzelfirma sind nicht als Unternehmen steuerpflichtig, sondern als Privatperson. Der Unternehmensgewinn wird also in der privaten Steuererklärung des Inhabers bzw. der Inhaberin angegeben und mit dem privaten Steuersatz versteuert.

Mehrwertsteuern sind ab einem voraussichtlichen Umsatz von 100’000 CHF obligatorisch. Aus bestimmten Gründen kann es aber sinnvoll sein, sich bereits vorher freiwillig der Mehrwertsteuerpflicht zu unterziehen, beispielsweise wenn Ihre Firma als Zulieferin oder Dienstleisterin für mehrwertsteuerpflichtige Unternehmen tätig ist.


Übergang einer Einzelfirma in eine GmbH oder AG

Wenn die Einzelfirma wächst, die Aufträge zunehmen oder Mitarbeitende eingestellt werden, steht ein Übergang in eine GmbH oder AG an. Der optimale Zeitpunkt dafür ist der Jahresanfang. Bei einem Übergang einer bestehenden Einzelfirma in eine GmbH oder AG sind einige zusätzliche Aufgaben zu erledigen:

  • Rechtsform und Firmennamen wählen
  • Kontoauszüge per Übernahmedatum organisieren
  • Revisionsstelle wählen und Prüfungsbestätigung eines Revisors einholen
  • Stammkapital/Aktienkapital festlegen
  • Statuten für die neue Firma erstellen
  • Versicherungen, Sozialversicherungen und Bankkonten überprüfen und gegebenenfalls anpassen
  • Mehrwertsteuer anmelden
  • Firma im Handelsregister eintragen

Detaillierte Informationen zum Thema Übergang einer Einzelfirma in eine GmbH finden Sie auf der Seite GmbH gründen.


Stolperfallen bei der Gründung einer Einzelfirma

Eine Einzelfirma ist schnell und einfach gegründet, jedoch zeigen sich nach der Gründung immer wieder Fehler auf, die mit erheblichen Kosten verbunden sind. Hierzu einige Stolperfallen, die es bei der Gründung zu beachten gilt:

1. Briefschaften werden vor dem Handelsregistereintrag der Einzelfirma entworfen: Nutzen Sie den Firmennamen erst, sobald alle notwendigen Abklärungen gemacht und alle nötigen Firmen- und Markenrechte erworben wurden – so können Ausgaben eingespart werden.

2. Die Einzelfirma wird nicht im Handelsregister eingetragen, um Geld zu sparen: Sollten Sie auf Neukundinnen und Neukunden angewiesen sein, wird ein Eintrag empfohlen, denn das schafft Vertrauen und kann ausschlaggebend für eine langjährige Kundenbindung sein.

3. Auf die Beantragung der Mehrwertsteuernummer wird verzichtet, sobald der Umsatz weniger als 100’000 CHF beträgt: Es kann sinnvoll sein, die Mehrwertsteuer freiwillig zu beantragen, denn bei der effektiven Abrechnungsmethode erhalten Sie die geleistete Vorsteuer auf Ihre Investitionen zurückerstattet.

4. Mit der Einzelfirma wird Geld gespart, da weniger Sozialleistungen zu zahlen sind: Sie sollten dafür sorgen, dass Sie durch die Eröffnung einer Säule 3a oder über zusätzliche Risikoversicherungen die fehlenden Absicherungen einholen, da Ihre Einzelfirma weniger versichert ist.

Um solchen Stolperfallen zu entgehen, wird ein Beratungsgespräch mit einem Experten oder einer Expertin empfohlen, beispielsweise mit einem Treuhänder oder einem spezifischen Gründungsservice (beachten Sie hierzu unsere Gründer-Special). Ein Treuhänder oder eine Treuhänderin entlastet Sie in administrativen Belangen und kann Ihnen beim Finanzplan oder bei Versicherungslösungen behilflich sein.